Willkommen
Blog
Links
   
 


Ich habe noch keine Ahnung, wie ich das nun anstellen soll, aber vielleicht kriege ich bald eine Idee. Den kindlichen Übermut habe ich und die unerschrockene Ehrlichkeit ist mein Spezialgebiet. Vielleicht wird das ein toller Blog - ich war schon immer eine unverbesserliche Optimistin - und dieser Text steht dann da etwas fremd. Aber auch sowas darf sein, es lebe die Unvollkommenheit!
Also LOS!


Reflexionen von Manuela Stauffacher

23. März 2024  

Der Probe-Abschied.   


Ich bin fiktiv tot. 
Gäste betreten meine Wohnung für den Probe-Abschied. Da ist die Einrichtung - geliebte Dinge, ausgewählte Möbel - und die Energie, als ob ich erst noch durchgehuscht wäre. Meine Lieblingsmusik dringt aus dem Gästezimmer, sonst Totenstille. Diverse Kerzen unterstreichen die Stimmung effektvoll.   

Wo bin ich? 
Es ist 18:18 Uhr, die Türklinke wird runtergedrückt, vorsichtige Schritte treten in den Eingang. Das Knarren des Holzbodens, unsichere Fragen. Lautere Stimmen beim Begrüssen neuer Gäste, erleichtertes Gelächter. Das Handy soll im Ruhezustand deponiert werden. Sich im Wohnzimmer einzufinden, fühlt sich am natürlichsten an. Knabbern am Rüebli-Dipp. Der Gwunder zieht in andere Zimmer. Gästesarg, Mut-Rad und Gästebuch. Ausprobieren, zumuten, zeigen.   

Wie bist du?
Themen um Leben und Tod gehen tief. Was zählt wirklich? Unser Schicksal verbindet, der Weg ist individuell. Wie fühle ich mich, wenn ich mich einlasse? Darüber reden lässt fliessen. Vor was habe ich Angst? Vielleicht gelingt es eine Angst zu verwandeln, zum Beispiel in Gwunder. Warum sehen andere Menschen gewisse Dinge ganz anders? Erweitere deinen Horizont. Wie wird sie auferstehen?   

Wir feiern das Leben!
Ich bin da. Fühle mich wie als Gast in meinem eigenen Zuhause – auf angenehme Weise. Wohlgesinnte Menschen, eingestimmte Energie, ein offener Raum mit viel Wärme und Verbundenheit. Freudiges Begrüssen, erleichtertes Lächeln. Neue Dynamik. Mich durchflutet Lebensenergie, ich fühle mich reich beschenkt. Da sind Fragen und ein paar Antworten oder noch mehr Fragen. Da ist Leben. Die Bewusstheit über das Leben. Eine Dankbarkeit. Es ist eine Illusion zu denken, dass ich weiter vom Tod entfernt bin als ein uralter Mensch oder ein Sterbenskranker…  


Es geht weiter…
Inspiriert von den Rückmeldungen, bereichert durch die Erfahrung und angespornt von neuen Ideen, entwickelt sich der Probe-Abschied laufend. Am ersten Abend habe ich kurzfristig die Ausstellung «Loslassen» integriert und mein Handy-Objekt in die Küche gestellt. Es liessen sich 10 Menschen – fünf Frauen und fünf Männer – auf das Abenteuer ein. Am 20. November waren es nur zwei Mutige, dafür stand meine Urne auf dem Tisch und es gab «Fragen um Leben und Tod» zum Beantworten. Das Handy-Objekt wanderte in der Zwischenzeit in mein Gästezimmer. Die sechs Gwundrigen zu Beginn des Jahres, liessen sich emotional auf die Vorstellung meines Ablebens ein und teilten intime Geschichten und Gedanken. Zum Anlass des Growd Fundings von Franziskas Podcast «My last Goodbye», reservierte ich einen Samstagabend für vier Gäste. Reflektierte Gespräche über das Sterben, den Tod und Trauer bereicherten den vergangenen Probe-Abschied. Als Dankeschön erhielt ich von Franziska ein wundervolles Kurzfilmchen über meine Idee. Zu sehen ist dieses unter anderem auf meiner Webseite, wo auch jeweils die nächsten Termine stehen. Es ist kein Scherz, dass ich am ersten April Zeugen für meine Auferstehung aufrufe. Auch kein Zufall, dass die Idee zur biblischen Geschichte passt. 

Sei dabei am Ostermontag! 

Ich freue mich auf dich.   

Warmumarm, manuela




11. März 2024   

Die Frisur spielt keine Rolle.   

Seit bald einem Jahr experimentiere ich mit meinen Haaren. Damals sind einer Freundin von mir die Haare nach ihrer ersten Chemo ausgefallen und sie hat daraufhin den Kopf rasiert. Ein emotionales Unterfangen – eine beeindruckende Wandlung. Aus Solidarität meinen Kopf auch rasieren? Beim Begleiten auf ihrem Weg, habe ich schon einiges für mich lernen können und wenn ich ehrlich bin, fühlt sich die Idee stimmig an. Ich experimentiere mit Mützen und Kopfbedeckungen, um einen kahlen Kopf zu imitieren, aber es gelingt nicht wirklich. Früher bewunderte ich Menschen, die sich mit ihren Haaren was trauen, Frisuren und Farben ausprobieren. Die Idee braucht Überwindung und Mut für mich, aber sie gefällt mir immer besser. Trotzdem tauchen in meinem Kopf Fragen auf. 
Fühle ich mich danach noch weiblich und begehrenswert? 
Werde ich das geliebte Haare-Kraulen vermissen? 
Meine Haare sind ja nicht weg, nur sehr kurz bis unsichtbar. Ich mache letzte Fotos von meinen geliebten langen Haaren und bitte meinen Freund mir nochmals meine Haare zu kraulen. Nur kurz, dann spüre ich den dringenden Impuls mein Vorhaben umzusetzen. Meine Handykamera vor mir aufgestellt, schneide ich mir mit meiner Küchenschere entschieden den ersten Büschel raus. Ach, fühlt sich das befreiend an! In diesem Moment wird mir klar, dass Mut im Verstand existiert, bei der Umsetzung aber Impuls oder Intuition die passenderen Begriffe sind. Ich mache es einfach, ohne weitere Gedanken. Eher mit einer schelmischen Energie, die mich durchströmt. Mit dem Rasierer, der für Barthaare geeignet ist, brauchen wir fast eine Stunde, bis wir durch die ganzen Haare durch sind. Toll! Ich sehe völlig verändert aus. Aufgeregt stülpe ich für meinen ersten Spaziergang eine Mütze über, doch schon bald fühlt es sich stimmig an mich zuzumuten, den Wind auf der Kopfhaut zu spüren. Die neuen Eindrücke energetisieren mich und ich finde etwas pragmatisch, dass ich eine Nassrasur wagen will, wenn ich schon mal so kurz davor bin. Drei Tage später sitze ich auf dem Stuhl eines erfahrenen Kopfrasierers und spüre die Klinge unangenehm über meine empfindliche Kopfhaut schaben. Vorsichtig berühre ich die ungewohnte Nacktheit. Die Wahrnehmung beider Berührungen – der aktiven durch meine Finger und der passiven meiner Kopfhaut – fühlt sich neuartig an. Die plötzliche Sensibilität macht verletzlich, ich schmiere sofort aus einem Impuls heraus Kokosfett darauf. Ohne Haare auf dem Kopf, reizt es mich, auch meine Yoni mal wieder kahl zu rasieren – Partnerlook. Dann entdecke ich dadurch nach und nach die Welt neu. Experimentell erkunde ich mit meiner Kopfhaut die Umgebung, berühre damit verschiedenste Materialien. Auf Spaziergängen streiche ich an Büschen vorbei, erspüre Blätter, Äste und Blumen auf neue Weise. Mein Kahlkopf kriegt viel Aufmerksamkeit. Ich werde darauf angesprochen, aber erstaunlicher finde ich ausbleibende Reaktionen. Mir ist klar, dass das triggern, verunsichern und irritieren kann – ein Aspekt, der mir auch gefällt. Die Haare wachsen, fühlen sich wie Schleifpapier an und bleiben an Textilien hängen, später entsteht die Assoziation zur Kiwi – süss! Der ausbleibende Aufwand zur Pflege beglückt mein Pragmatiker-Herz. Ausserdem finde ich, dass mir sämtliche Kleider anders – meist besser – stehen, weil sich mein Fokus verlagert hat.   
Nach sechs Monaten wachsen lassen, passend zu meinem ersten Probe-Abschied, rasiere ich meinen Kopf erneut. Auf dem Super-Gerät aus den 60ern von meinem Mami steht 3mm. Das Resultat sieht kürzer aus, ist dafür in Rekordzeit erreicht und brauchte keine Überwindung mehr.

Die Idee hat sich knapp ein halbes Jahr danach wieder verstärkt gemeldet. Ich betrachte die Zeitungsberichte aus 20Minuten mit langen Haaren und den Artikel aus dem Zürcher Oberländer vor der erneuten Rasur. Wäre doch passend für ein anderes Thema in der Walder Zeitung auch eine neue Frisur zu haben. Ich stehe mit dem Rasierer vor dem Spiegel und mache das, was ich beim ersten Mal verpasste. Experimentieren. Ich habe andeutungsweise auf gleicher Höhe zwei Scheitel, Stellen, wo sich meine Haare natürlich teilen lassen. Da rasiere ich unten durch, lege meine Ohren grosszügig frei. Punkfrisuren haben mich immer fasziniert – aber mit Ü 40? Völlig egal, mir gefällt’s. Ich fühle mich kuhl. Mutig. Grossartig.   

Von meinem Klienten habe ich die erwartete Anerkennung erhalten, aber die Fragen und Bemerkungen bei einer Weiterbildung fallen enttäuschend aus. Auf der Hinfahrt noch ganz berauscht, nervös und unsicher, mich auf mögliche Reaktionen vorbereitend, erkenne ich, dass meine Selbstsicherheit, Entspannung bringt. Mir wurde nur der Teil in mir gespiegelt, der sich meiner neuen Frisur ganz sicher ist und sie stolz trägt.   

So bin ich auch an meinem Fototermin nicht erstaunt, als sie nichts dazu sagt, obwohl wir uns für den Artikel erst vor einer Woche mit alter Frisur sahen. Meine Schwester beneidet mich leicht, weil sie die Idee schon länger tatenlos mit sich herumträgt. Sie meint, dass «Vikings» zum Trend beiträgt. Erst als ich mit meiner Freundin in den Ausgang zum tanzen gehe, merke ich, was sie mit Trend meinte. Um mich gefühlte 90 Prozent der jungen Männer mit ähnlicher Frisur! Jetzt weiss ich, was meine Freundin beim Abholen meinte. Ich stand in Leggins und Schlabber-T-Shirt vor ihr und schlüpfte in meine Chucks. Du siehst aus wie eine Lesbe. Passend dazu werde ich wild tanzend vor dem Mischpult von einer, von mir vorerst als queer eingeschätzte Person, angesprochen. Wegen ihrer volltätowierten Haut – ich entdeckte nicht mal im Gesicht eine freie Stelle – wird sie möglicherweise anders eingeschätzt, so dass sie mir versichert keine Lesbe zu sein. Trotzdem möchte ich lieber tanzen statt quatschen, gebe ihr zwei meiner Flyer und sie verspricht mir sich zu melden. Von den Männern werde ich nicht gesehen, das ist neu für mich. Ich geniesse diese Erfahrung und denke, was für eine kuhle, androgyne Erscheinung ich bin – fand ich schon lange anziehend.   

Die Frisur spielt eine Rolle.



9. März 2024   

«Ein Ja zum Verlieben, bevor die Beziehung endet, ist wie ein Ja zum Leben, bevor du stirbst.»

Als Surrogat-Partnerin und Liebeslehrerin begleite ich meine Klienten oder Schüler nicht nur im individuellen Entdecken der Sexualität. Wir lassen uns aufeinander ein, bauen Vertrauen auf, lernen uns kennen und nähern uns währenddem körperlich an. Dabei haben wir den Fokus auf unserer Wahrnehmung und finden Wörter und Ausdrücke für sie. Die Kommunikation ist in jeglichen Beziehungen ein wichtiges Element. Die Liebesbeziehung ist wahrscheinlich die intensivste Beziehung zwischen Menschen. Mit dem Vertrauen öffnest du dich und mutest dich immer mehr zu. Dadurch zeigst du dich verletzlich. Ich habe mich in meinem ganzen Leben - vor allem als Mädchen - unzählige Male unglücklich verliebt, im Stillen gelitten, mich wieder entliebt. Es sind Erfahrungen, die ich heute sehr schätze und die mich zu der Überzeugung brachten, dass sich das Gefühlschaos trotzdem lohnt, um die Lebendigkeit intensiv zu spüren.  

Ich bin auch in Beziehung zum Leben. Wie gestalte ich es und wie emotional lasse ich mich darauf ein? 
Vor über einem Jahrzehnt war ich in einem Philosophiezirkel zum Thema «Sinn des Lebens» - ein Klassiker! Während der Grossteil der Meinung war, dass es wichtig ist, glücklich und zufrieden zu sein, nervte sich ein einzelner über diesen Druck und Zwang dieser «heilen» Welt. Ich konnte ihn verstehen, brachte aber im gegenwärtigen Moment nicht die richtige Wortwahl zustande. Wenn ihm Missmut und Empörung guttun, dann ist das sein Sinn des Lebens, versuchte ich es ungeschickt. Mitten in der darauffolgenden Nacht, weckte mich eine wichtige Erkenntnis. Mein Unterbewusstsein hat das Erlebte verarbeitet und mir meine Wahrheit gezeigt. In der Komplexität des Lebens entdecke ich nicht selten die Einfachheit der Dinge. Sinn des Lebens – Sinniere dich lebendig. Denke dich lebendig / lebe lebendig. Was diese Lebendigkeit ausmacht, das weisst nur du allein. Das ist wahrscheinlich von Moment zu Moment etwas anderes. Ein passendes Wort finde ich «aufregen». In ein und demselben Satz kann es etwas Angenehmes oder etwas Unangenehmes bedeuten: Auf meinem Morgenspaziergang war ich aufgeregt, weil ich an meinem Blog schreiben wollte, und mein Hund hat mich aufgeregt, weil er überall lange schnüffelte.   

Ist Zufriedenheit nicht sogar ein Lebendigkeits-Killer, habe ich mich letztens gefragt. Die ewige Ruhe stelle ich mir friedlich vor. Vielleicht ist es aber auch der Ausgleich, der mir zuweilen fehlt und ich mir zu wenig einräume, weil es so viele wundervolle Dinge auf der Welt zu entdecken gibt und meine Seele danach dürstet. Ich habe ein Ja zum Leben, bevor ich sterbe.   

Dieses Zitat ist mir also dazu eingefallen, aus dem Kollektiv in mich reingefallen, sozusagen. Da ich es wieder an das Kollektiv zurückgebe, verzichte ich auf die Quellenangabe ;)



8. März 2024   

Internationaler Frauentag.  

Mann – ich liebe dich. 
Dein Geruch und dein Blick. 
Deine Stärke und deine Verletzlichkeit. 
Dein Wille und dein Einlassen. 
Deine Grosszügigkeit und dein Vertrauen. 
Was für ein wundervolles Geschöpf du bist! 
Ein Geschenk.   

Das war heute in meinem WhatsApp-Status zu lesen. Warum? Der Männertag und der Vatertag werden nicht halb so enthusiastisch gefeiert, habe ich den Eindruck. Wo bleibt da die Gleichberechtigung? Gleichberechtigung?? Höre ich ein Echo aus diversen Frauenmündern. Beispiele von Ungleichheiten werden mir um die Ohren gehauen, zu welchen ich keine eigenen Erfahrungen gemacht habe.   

Ich fühle mich wundervoll als Frau und sehe viele Vorteile als Frau in der heutigen Zeit zu leben. Männern begegne ich gerne auf Augenhöhe. Die polaren Energien schaffen Lebendigkeit, deshalb schätze ich die Unterschiede der Geschlechter. Uns verbindet mehr als uns trennt, denn es gibt sie nicht wirklich: die typische Frau, den typischen Mann. So sind wir alle Individuen mit ähnlichen Sorgen und Freuden auf der Suche nach Liebe.   

In meiner Ode an den Mann möchte ich ihn mit Mensch ersetzen.   

Wie wäre es mit einem internationalen Tag des Menschen? Es gibt nur Tage für bestimmte Menschengruppen, ich habe jedenfalls keinen gefunden, der alle Menschen inkludiert und unser Kollektiv stärkt – das wäre doch was…




3. März 2024   

Wild und frei mich ganz tanzen.  

Samstag. Ich wollte nichts planen, weil mich das manchmal beengt. Im Hinterkopf die Idee etwas Neues auszuprobieren, obwohl ich zuweilen genug von Neuem zu haben meine.   

Aufgeregt und unsicher betrete ich das Lokal zusammen mit meiner Freundin. Sie war schon mal da, ist locker gekleidet und steht mit einem Bier in der Hand und einem Smile im Gesicht vor mir. In mir spüre ich – fast zur Gewohnheit gewordene – Gegensätze. Die fremde Energie löst Nervosität und Gwunder aus. Viele Menschen, eine bunte Mischung von Erscheinungen, laute Musik im Hintergrund und Gespräche. Wo bin ich, was will ich hier und wie schwinge ich mich da ein?   

Bald ist das Bier mit meiner Hilfe leergetrunken und wir steuern Richtung Tanzraum. Ich spüre die Feuer-Energie in mir, die nun mit dieser Aktion in ihre Kraft kommt. WC, Wasser trinken, Hoodie deponieren und zur Kasse. «Das ist das engste Armbändeli, dass ich heute bis jetzt montiert habe», lächelt mich die Frau am Eingang an. Aha – denke ich mir und stopfe mir die Ohrstöpsel rein, während ich beim Kontroll-Mann vorbeigleite. Meine Freundin geht voraus, bahnt sich geschmeidig und scheinbar selbstbewusst einen Weg durch die tanzenden Leute. Ich weiss noch nicht, wo es mich hinzieht. Die schweren Beats lassen meinen Körper erzittern, ich bin mich diese Musik nicht gewohnt. Zaghaft halte ich mich am Rand auf, lasse meinen Körper einschwingen. Die Augen geschlossen, beobachte ich, was in mir lebendig ist und vielleicht einen körperlichen Ausdruck findet. Ich entspanne mich und gebe mich den Schwingungen hin.   

Tief verbunden und präsent mit mir, überlasse ich die Bewegungen meines Körpers meiner Intuition. Als Beobachterin staune ich über das Wissen, zu welchem ich mit meinem Verstand keinen Zugang habe. Voller Hingabe und Vertrauen schüttle, zucke und hüpfe ich meine innere Unruhe in den Raum hinaus und gebe meinem Innenleben einen Ausdruck.  

Tanzen ist leben. Mit tanzen meine ich nicht bestimmte Bewegungen zu bestimmter Musik zu machen, sondern vielmehr zu beobachten, wie sich mein Körper in allen möglichen Situationen bewegen möchte, oder auch nicht. Wenn ich keine Resonanz spüre, stehe ich auch mal zu rhythmischer Musik still, oder ich bewege mich zur Musik der Natur.   

Nach beinahe vier Stunden Marathon-Ausflippen, praktisch ohne Pause, finden wir beide, dass es genug ist. Auf wackligen Beinen stolpere ich in die frische Luft hinaus und male mir den schlimmsten Muskelkater aus.   

Mein Hund lässt mich ausschlafen und als ich die ersten Schritte mache kann ich es kaum glauben: Mein Körper fühlt sich geschmeidig an. Ich verrenke mich in alle Richtungen, aber auch auf dem Morgenspaziergang spüre ich keine Nachwirkungen in den Beinen – ein Wunder!




25. Februar 2024   

Ach Kim, ich bin schon über das erste Wort gestolpert, weil ich mit «Liebe(r)» beginnen wollte.  

Meine Grossmeere haben mir mitgegeben, dass es Frauen und Männer gibt. Wie bereichernd ist es jedoch, mit offenen Augen, wachem Verstand und viel Gwunder unterwegs zu sein. Die Diversität in meinen Sprachgebrauch zu integrieren, ist für mich nach wie vor herausfordernd. Dein Blutbuch vermittelt mir eine gewisse Freude daran und inspiriert zur Umsetzung. Überhaupt hat mich dein Werk ausserordentlich berührt. Verbundenheit und Nähe spürte ich in unzähligen Passagen. Mir gefällt, wenn die Polaritäten sich vereinigen und Tiefgründigkeit auf Situationskomik trifft und Schwere durch das Schreiben an Leichtigkeit gewinnt. Ich schätze die kompromisslose Ehrlichkeit, deine Offenheit und ich liebe deine Frechheit. Du zeigst dich verletzlich und das macht dich zu einem vorbildlichen Individuum.  

Ich habe gestern das Blutstück besucht. Auch da hat mich die Kreativität begeistert. Die achtsamen Interaktionen mit dem Publikum, die authentischen Improvisationen und die originelle Bühneninszenierung. Mit euren Ängsten und Zweifel, dem Hinterfragen von Konventionen und eurer Neugier, habt ihr den Nerv der Zeit getroffen. Die Menschlichkeit hat mich tief berührt.   

Am Ende der Vorstellung war ich die Einzige, die aufgestanden ist – dafür wurde ich von euch gesehen. Ihr habt es vorgemacht: Wir müssen uns zeigen, um gesehen zu werden. Im Nachhinein stelle ich mir gerne vor, wie ich meine hellgrünen Converse-Imitat-Chucks auf die Bühne werfe, weil die als magisch gelobt wurden – das finde ich auch. Egal mit was für Kleider ich sie kombiniere, sie scheinen zu allem zu passen und lassen mich leicht, jung und frech fühlen.   

Beim Rausgehen begegnete ich dem LIVING ARCHIVE - noch so eine wundervolle Idee. Ich möchte nachschauen, ob sich ein Gegenstand finden lässt, der mich an eine meiner Grossmütter erinnert, damit ich ihn im Schauspielhaus Zürich im Schaufenster deponieren kann. Obwohl meine Wohnung ein Mix von Grossmutters Zeiten bis Heute ist und ich wahrscheinlich ein paar Dinge von ihnen besitze, muss ich trotzdem auf die Suche. Es ist der Geruch von Ganfer, der mir bleibt, aber die Kugeln dazu habe ich nie gesehen.   

Mit einem warmen Gefühl im Herzen, voller Verbundenheit, obwohl ich allein am Blutstück war, machte ich mich auf den Heimweg.   

Kim, danke für deine Stärke, dich schwach zu zeigen, deine Grösse, dich klein zu fühlen und die Frechheit, deine Unsicherheit zu benennen.   

Danke für dein Zeigen – ich habe dich gesehen.   

Warmumarm, manuela




23. Februar 2024   

Diagnosen.  

«sind wir nicht alle ein bisschen bluna?» Ich mochte die Werbespots der Kultlimonade. Frech, frisch und unkonventionell, sprechen sie die verrückten Anteile in uns an. Wo die einen offen zu diesen Anteilen stehen und sie auch leben, versuchen andere diese zu ignorieren, zu unterdrücken, sogar zu verleugnen.   

Individuelle Menschen mit unangepasstem Verhalten oder psychischen Störungen, lösen bei einigen unangenehme Gefühle aus. Vielleicht passt es nicht in ihr Weltbild und sie fühlen sich unsicher oder haben Angst. Angepasst sein, bedeutet in der Gesellschaft integriert und akzeptiert zu sein. Möglicherweise wird der Preis mit persönlicher Freiheit bezahlt.   

Ich fühlte mich schon seit ich weiss von Individualisten und Querdenkern angezogen. In der ersten Klasse machte ich aber meine erste Erfahrung mit Ausgrenzung, weil ich zu wenig angepasst war. Lange pflegte ich genügsam das Alleinsein, bis ich mich in der Oberstufe erneut zumutete – mit verheerenden Folgen. Ich konnte es kaum erwarten, mein gesamtes Umfeld zu erneuern. Lange lebte ich ein angepasstes Leben, niemand konnte mir was anhaben. Es war aber nicht mein Leben.   

Seit über fünf Jahren traue ich mich auf eigenen Füssen zu stehen und herauszufinden, wer ich bin – jeden Tag aufs Neue! Von meiner Welt war ich anfangs so begeistert, mein Lieblingsspruch war: «Ich könnte kotzen vor Glück!» Viele meiner Kind- und Jugendträume haben sich seither erfüllt. Schwierigkeiten, Herausforderungen und Lernfelder gibt es trotzdem genug, damit es mir nicht zu langweilig wird.   

Am Überfluss meiner Ideen scheitere ich nicht selten. Chaos überfordert mich zuweilen und die Übersicht verlässt mich. Letzten Samstag hörte ich eine Diagnosen-Vermutung dazu. Die Beschreibungen der Person treffen meine Gefühlswelt genau – was für eine Offenbarung. Meine Reaktion war Verblüffung und Verwunderung, dass ich erst mit 42 Jahren davon erfahre. Ich fühle mich gesehen, verstanden und einer Gruppe zugehörig. Es gibt eine Erklärung für meinen Zustand.   

Solange ich mich dadurch im Leben nicht eingeschränkt fühle, mit meinen Bewältigungsstrategien durchkomme und niemandem schade, reicht mir lediglich das Wissen darum. Ich bin nicht nur die Diagnose (und sie wurde ja auch nicht offiziell gestellt), sondern noch so vieles mehr: ein Mensch mit diversen Facetten und Rollen.   

Ich wünsche mir, dass Diagnosen nicht stigmatisierend sind, sondern das Gefühl von Zugehörigkeit vermitteln. Dadurch tun sich neue Möglichkeiten zur Bewältigung von Schwierigkeiten auf. Die richtige Hilfe, Strategie oder Therapie, darf immer wieder gefunden werden – Veränderung ist Leben.



14. Februar 2024   

Liebe.   

Aus Liebe entsteht und besteht Leben. Universelle Kraft der Lebendigkeit. Synonym für Gott?   

Für mich ist Liebe ein Gefühl von Hoch und Tief, Ruhe und Lebendigkeit, eine pulsierende Zentriertheit. Die Vereinigung der Polaritäten! (Das Ausrufezeichen ist persönlich, wegen meiner gleichnamigen Ausstellung vom 2021)   

Liebe ist Mut, Vertrauen, Zuversicht, Grosszügigkeit und Verbundenheit.   

Die kleine Schwester von Liebe ist die Verliebtheit. Blind, wild und ungestüm, lässt sie unsere Gefühle Achterbahn fahren. Unreif und angstfrei stürzt sie sich in das Abenteuer, um vielleicht irgendwann einer Ernüchterung zum Opfer zu fallen. Möglicherweise entwickelt sich daraus aber auch geschmeidig die romantische Liebe.   

Heute machte ich die Entdeckung, dass die Liebe eine Haltung zum Leben sein kann. Aus Mangel an einem ausgedehnten romantischen Treffen, achtete ich am Tag der Liebe auf verschiedenste Begegnungen. Ich schenkte meinen Mitmenschen ein Lächeln, ein paar liebe Worte oder Zeilen der Verbundenheit. Auch ein Yoni-Guetsli war unter den Geschenken. Am späteren Nachmittag widmete ich mich meinem Balkon. Ich sortierte Pflanzen, habe Übertöpfe gewaschen und ein Gestell neu angestrichen. Da entdeckte ich meine Liebe zu den Dingen, die mich umgeben und wie gerne ich mich um sie kümmere.   

Ich liebe mein Leben und die Art, wie ich es gestalte. Ich liebe die Vielfalt – die Vereinigung der Polaritäten!




6. Februar 2024

Wandlung.   

Ich spüre wie immer mehr Bewusstheit aufkommt. Gewohnte Abläufe werden auf ihren Nutzen und Aussagen auf die Stimmigkeit geprüft.   

Manchmal flutschen mir Wörter, sogar ganze Sätze heraus, welche ich von der Gesellschaft übernommen hatte, die sich für mich aber plötzlich unwahr anfühlen. Weil ich jedoch seit ein paar Jahren meine Aufmerksamkeit auf authentische und bewusste Kommunikation lenke, passiert mir das weniger als früher. Meine Antennen sind feinfühlig und gerne frage ich bei der betreffenden Person nach, wenn ich eine Aussage nicht nachvollziehen kann.   

Um ein möglichst vielschichtiges Beispiel zu machen, konstruiere ich hier mal einen Satz: «Man hat eigentlich immer Lust auf eine Umarmung.»   
(Jetzt empfinde ich fast eine kindliche Spielfreude aufkommen, wenn ich dieses – aus meiner Sicht – «Fettnäpfchen» lese.)  


Wer ist «man»? – Eine meiner beliebtesten Fragen. Von dem habe ich auch schon gehört, aber wer ist das überhaupt? Kennst du den? ICH habe jedenfalls nicht immer Lust auf eine Umarmung…  


Eigentlich? – Hier vielleicht gar nicht so unpassend, weil es den Kontext relativiert. In den meisten Sätzen lässt sich das beliebte Wort jedoch streichen. Versuch es mal wegzulassen, wenn es sich gerne in dein Vokabular einschleicht.  

Immer? – Ein grosser Trigger. Wahrscheinlich habe es selbst zu oft unwahrheitsgemäss verwendet oder noch schlimmer: es schleicht sich vielleicht ab und zu immer noch ein… Jedenfalls zählt es zu den pauschalisierenden Wörtern wie «nie», «alle», «niemand» und viele weitere. Die meisten Pauschalwörter lassen sich jedoch einfach durch ein treffenderes Adjektiv ersetzen.   

Durch solche und ähnliche Aussagen wird meine korrekte Jungfrau-Erziehung, mein innerer Tüpflischiisser, meine Rechthaberin aktiviert. Je nachdem wie es die Situation begünstigt, spreche ich meine Fragen aus oder denke mir einfach was dabei.   

Neulich fand ich zusammen mit meiner Schwester einen für uns stimmigeren Text für ein altes Kinderlied zur Besänftigung eines Schmerzes. Weil die Besserung nicht erst nach 6 Tagen (drei Regen- und drei Schneetagen) eintreten soll, singen wir ab jetzt:   

Heilä heilä Sägä, im Fluss wiä dä Rägä 
Im Wandel wiä dä Wind, dänn wirsch du gsund ganz gschwind 
Heili heili Erdä, starch tuesch du wärdä 
Starch wiänäs Füür, s’Vertraue häsch däfür.




1. Februar 2024   

Abschied.   

Schon wieder? Das Thema scheint mich nicht loszulassen – was für ein witziges Paradoxon!
Gleich beim Erwachen wusste ich, dass ich darüber schreiben werde – was? – noch keine Ahnung.   

Der Morgenspaziergang half weiter. Im kleinen Wald um die Ecke waren Holzarbeiter im Begriff einen Baum zu fällen und hielten mich auf dem Weg zurück. Der Mann mit der Motorsäge machte seine letzten Handgriffe vor dem Fall.   

Ich spürte meinen oberflächlichen Atem, meine verkrampfte Hand und angespannte Gesichtsmuskeln. Bäume zählen zu meinen liebsten Lebewesen. Ihre Symbolik begleitet mich, seit ich denken kann. Mein Konfirmationsbild stellt ein junger Baum dar, der aus einem alten Strunk emporwächst. Während der Schule habe ich eine Arbeit über den Baum geschrieben und ehe ich mich versah, zog ich in eine Gemeinde mit einer stattlichen Eiche im Wappen. Als dann die Fusion passierte und davon nur noch ein Blatt auf der gemeinsamen Ortsfahne zu sehen war, zog es mich nach Wald mit drei Tannen.   

Als Schülerin des Loslassens, verband ich mich mit dem Baum im Wald, der bald fallen wird. Ich dachte an meinen Vater und wie friedlich ich seine letzten Atemzüge beobachtete. Die Erinnerung an den natürlichen Zyklus von Vergehen und Entstehen, Sterben und Leben – Abschied und Neuanfang – hilft mir, geschmeidig zu bleiben.   

Es gibt unzählige Situationen, wo wir solche Übergänge emotionslos durchleben. Wahrscheinlich sind die meisten Menschen heute Morgen im neuen Monat aufgewacht, ohne den Januar 2024 (der nie wieder kommen wird) zu betrauern. In unserer polaren Welt sind Veränderungen dank Raum und Zeit integriert. Du selbst hast die Wahl, wo du im Prozess deinen Fokus setzen möchtest: Betrauerst du den Abschied oder freust du dich auf das Neue?   

Mein Fokus war in besagten Moment ganz beim Baum. In Gedanken atmete ich für ihn, bedankte mich für seine Energie während den letzten Jahrzehnten und dafür, dass er nun seinen Platz für Neues räumen darf. Es ist jetzt so. Nicht gut, nicht schlecht. Er fällt.   

Der Prozess schüttelte mich und Tränen füllten meine Augen. Ich stellte mir vor, wie die umliegenden Bäume ihn mit ihrem Nachschwingen verabschieden, ihm danken für seine Präsenz in der Familie.   

Für mich ist klar, dass ich den Fokus in der aktuellen Situation behalten möchte, auch wenn etwas unangenehm ist. Mir hilft das durch wichtige, emotionale Prozesse hindurch, damit die Lebendigkeit erhalten bleibt.   

Voller Dankbarkeit für meine Lebensschule, starte ich heute in meinen Geburtsmonat!





28. Januar 2024

Entstanden im Jahr 2022 in "Traumwelt 360°":

Ich habe einen Traum
Das Leben ist schön.
Ich möchte, dass das Alle finden. Jeder Mensch soll das haben und machen können, was ihm gefällt. So lange und intensiv er will. Ohne verurteilt oder ausgegrenzt zu werden. Weder von sich noch von Anderen.

Grenzen und Gesetze überschreiten oder überfliegen, solange Involvierte nicht übergangen werden in ihren Bedürfnissen. Ja, wieso nicht fliegen? Ist das nicht der Traum Vieler? Soll das nur in den Träumen vorkommen? Ich möchte fliegen. Nicht mit einem Flugzeug oder anderen Hilfsmitteln, sondern einfach so. Einfach davon schweben, nicht mal abstossen mit den Füssen. Über die Häuserdächer, die Stadt, hinaus über Hügel und Berge. Tanzen mit den Wolken, mich treiben lassen mit dem Wind, meinen Körper von einem Sturm nehmen lassen.

Ja, ich möchte auch nackt sein. Berührungen unmittelbar auf meiner Haut spüren. Wind soll mich streicheln, Regen mich waschen und Sonne mich wieder trocknen. Ausgezogen in den See gleiten, oder mich von Wellen auspeitschen lassen. Spüren wie das Wasser aufgesogen wird und nach dem Bad wieder meine Beine runter läuft.
Ich möchte das frische Gras nicht nur zwischen meinen Zehen spüren, sondern an meinem ganzen Körper. Den Geruch der Erde einatmen.

Die Menschen sollen sich nahe kommen. Emotional und körperlich. Ich interessiere mich für Menschen und für ihre Motivation das zu tun, was sie tun. Ich wünsche mir Nähe und Offenheit. Jeder soll seine Bedürfnisse und Grenzen erkennen und kommunizieren können. Mit dieser Voraussetzung kann wirkliche Verbundenheit entstehen. Und Vereinigung.

Ich wünsche mir Ekstase. Wild und frei. Gross und weit. Auch tief. Leben ist der Spielplatz, Menschen, Sexualität und Liebe die Drogen. Lasst uns beschwipst und lebendig sein. Ja sagen zu uns und dem Leben. Die Vielfältigkeit und den Wandel ehren. Geben wir uns ganz rein und lassen dann wieder ganz los.




27. Januar 2024   

Tagebucheintrag meiner Yoni:   

«Gestern bereitete mir Manuela ein weiteres Mal die Möglichkeit an einem passenden Anlass meine Persönlichkeit zum Strahlen zu bringen.   

Vorweg erweiterten wir zusammen das Yoni-Kostüm um einige Inhalte: Superflauschiger Lingam als Maskottchen, ein Yoni-Ei und eine multifunktionale Sprühflasche mit der Aufschrift «Gleitgel».
Für den Lingam investierte sie viel Zeit und Geduld, sollte er doch durch das Einführen der Hand in den Schaft, eine Erektion erhalten und beim Zurückziehen sich die Vorhaut wieder über die Eichel ziehen. Ich habe Manuela selten so konzentriert und motiviert gesehen, in Anbetracht der Anzahl Rückschläge. Das Ergebnis kann sich sehen und fühlen lassen, vielleicht gerade deshalb, weil er nicht «funktioniert» sondern einfach ist – so vollendet in seiner Schönheit. 
Das Yoni-Ei ist eine pinke eiförmige Schachtel, in welche Manuela ihr Geld reintun wollte. Leider konnte das Ei nicht so gut im Innern des Kostüms befestigt werden, deshalb flutschte es – wie ein richtiges Yoni-Ei – zweimal heraus. Aus diesem Grund durfte der Lingam Träger der Wertsachen werden. Er fand dank seinen gestrickten Hoden einen guten Halt über dem Gürtel, wobei er ein wenig an einen Strap-On erinnerte. 
Um den Hals baumelte die Sprühflasche, damit Manuela die weibliche Ejakulation demonstrieren konnte. Als Doppelfunktion dürfte eine interessierte Person dann das Gleitgel von aussen benutzen.   

Am besten sind jedoch die leckeren Yoni-Guetsli beim Publikum angekommen. Manuela besitzt ein Yoni-Ausstech-Set mit 5 verschiedenen Strukturen. Dabei liess sie den roten Johannisbeer-Gelée aus individuell grossen Öffnungen herausquellen. Das Menstruationsblut gehört einfach dazu!  
Obwohl wir die Einzelmasken-Prämierung nicht gewannen, hatten wir doch sehr berührende Kontakte, vor allem mit Frauen. Die Männer trauten sich wahrscheinlich wegen der ungewohnten Offenheit noch nicht recht sich zuzumuten – das ist nur eine Vermutung ;)   
Letztes Jahr am Goldinger Maskenball beglückte mich eine junge Frau vor den Toiletten mit einer Spontangeburt, das war das Allerbeste!  

Ich liebe es, wie offen, direkt und ehrlich Manuela mit dieser inneren Ruhe und Gelassenheit den unpopulären Themen Raum gibt. Durch das Zeigen werden wir gesehen. Wir sind ein gutes Team und ich liebe die Zusammenarbeit sehr.   

Vielleicht sind wir dieses Jahr noch an einem Fasnachtsumzug der Region zusehen…»




25. Januar 2024   

Emotional auf eine Begegnung einlassen.   

Ich schaute mir das Interview von Veit Lindau und Aino Simon zum Thema «Sex dich frei» an. Den Text zur Beschreibung übernehme ich von der Plattform:   

«In diesem berührenden Gespräch lädt uns Aino Simon ein, genau hinzuschauen und hineinzuspüren, was wir für eine vertrauensvolle, freie und offene Form in Beziehung zu sein brauchen. Dabei öffnet sie den Raum für die Einzigartigkeit jeder Beziehung, sei sie nun monogam, polyamor oder dynamisch zwischen den Polen. Sie steht ein für eine radikale Offenheit in der Kommunikation zwischen den beteiligten Menschen. Sie macht Mut, zu den tiefsten Bedürfnissen, zu Verletzlichkeit und Schmerz zu stehen, damit wir im gemeinsamen Raum alte Wunden heilen können. So kann es gelingen, dass wir als reife Menschen einander immer freier begegnen können und unsere Liebesbeziehungen immer mehr zu einem Miteinander werden können, wo sich die Beteiligten in ihrem Wachstum unterstützen und fördern.»   

Das Thema beschäftigt mich seit über fünf Jahren beruflich und privat.   

Als Surrogat-Partnerin simuliere ich eine authentische Beziehung auf Zeit mit meinem Klienten in einem therapeutischen Rahmen. Neben dem Fokus auf der Wahrnehmung, ist die Kommunikation über Bedürfnisse und Grenzen in der Begegnung zentral.   

Privat lebe ich in einer glücklichen offenen Beziehung mit wertschätzender authentischer Kommunikation. Für mich und meine aktuelle Lebensphase fühlt sich diese Beziehungsform perfekt an. Es ist in meinem Fall auch die Dynamik der Polaritäten, die das Reizvolle ausmachen. Mein Freund schenkt mir einen sicheren Hafen, Verlässlichkeit, Vertrauen, aber auch meine Freiheit. Indem er mir meine Freiheit lässt, macht er sich für mich äusserst attraktiv. Ich mag dieses Paradoxe.   

Im Interview ging es um das Kommunizieren von Wünschen und Grenzen in einer Partnerschaft. Wo sind die Grenzen in einer offenen Beziehung? Dürfen sich die Partner sexuell oder/und emotional auf Menschen ausserhalb der Beziehung einlassen?   

Früher konnte ich mich manchmal ziemlich emotionsfrei auf sexuelle Abenteuer einlassen, weil mich nur die Vereinigung reizte. Ich glaube nicht, dass mir das jetzt noch gelingen würde. Die Wahrnehmung ist viel intensiver, wenn ich mich auch emotional auf mein Gegenüber einlasse. Ich spüre eine Liebe für Menschen, die sich vom Verliebtsein unterscheidet. Gerne spreche ich statt vom Verlieben auch vom Verknallen, weil die Intensität übersprudelnd ist. Ich kann mich an eine reizvolle Begegnung erinnern, wo ich mich total verknallte. Wieder zusammen mit meinem Freund, dachte ich an den Anderen. Da erkannte ich meine Grenze. Eine Grenze, die ich nicht überschreiten darf, wenn ich die Beziehung zu meinem Freund nicht gefährden möchte. Ich machte mich an meinen Entknallungs-Prozess.   

Emotionales Einlassen auf Beziehungen jeder Art ist für mich von grosser Bedeutung. Die Emotionen aber auf die Begegnung zu begrenzen ist für mich wichtig und gelingt mir auch in den allermeisten Fällen. Ich erinnere mich an ein tantrisches Ritual zum Trennen dieser Abhängigkeit-Gefühle. Die Astralverbindungen der Chakren wird gedanklich getrennt und die eigene Energie wieder zu sich genommen. Für alle, welche Mühe mit Ablösungsprozessen haben, könnte dieses Ritual hilfreich sein. Ich sollte es vielleicht vermehrt in meiner Arbeit integrieren, merke ich gerade…   

Eigenverantwortung und wohlwollende offene Kommunikation zählt ganz klar zu den wichtigsten Aspekten einer nährenden Beziehung zwischen Menschen.



25. Januar 2024   

Achtsames Schreiben von geschäftlichen E-Mails.   

Wie voll mein Postfach manchmal ist! Wieder ein Verteiler, wo ich mal als Manuela Bertschinger reingerutscht bin…   

Ich nehme mir die Zeit für eine persönliche Formulierung der Bitte mich aus dem Verteiler zu entfernen. Es gefällt mir von meinen Beweggründen zu berichten und einen kleinen Einblick in mein neues Leben zu geben. Vielleicht schwingt auch ein wenig Stolz mit für meinen Weg und ich möchte insgeheim auf mich und meine Angebote aufmerksam machen. Das Aussergewöhnliche hat dabei wahrscheinlich auch seinen Reiz.   

Bequemer wäre ein kurzes «Nein danke» und vielleicht ist mein Aufwand verschwendete Energie, könnte man meinen. Wenn mich jedoch eine differenzierte Formulierung gerade reizt, dann wird das seinen Grund haben, das ist meine Überzeugung. Ausserdem sind am anderen Ende auch Menschen, die es verdient haben mit einer achtsam formulierten Geschäfts-Mail konfrontiert zu werden.   

Schlussendlich muss ich es für mich machen und ich mag es, wenn ich für möglichst vieles und insbesondere für Routine-Arbeiten, Achtsamkeit integriere.   

Für die Gwundrigen unter euch, hier noch den Text dazu:     


Liebe Francesca Romano   

Ich war einige Jahre im Komitee des Adventsmarktes Goldingen noch als Manuela Bertschinger. Damals habe ich mich mit Medienpräsenz für den Anlass auseinandergesetzt und bin wahrscheinlich seither in eurem Verteiler.  


Seit über 5 Jahren lebe ich jedoch meine Berufung ganzheitlich für das Lebewesen Mensch da zu sein, es im individuellen Lebensprozess zu unterstützen, begleiten und zu fördern. Mein Kuschel-Abend zum Beispiel ist jedoch weder auf Tourismus angelegt noch Konsum- oder Profitorientiert.


Weil auch die Konsumentin in mir nur noch ein kleiner Teil ausmacht, möchte ich bitten meine E-Mail-Adresse aus eurem Verteiler zu löschen.
  

Herzlichen Dank für die Kenntnisnahme und einen geschmeidigen Start in den neuen Tag.


Fröhliche Grüsse,  
Manuela Stauffacher  



Am 24.01.2024 um 14:20 schrieb Standortförderung Zürioberland <info@zuerioberland.ch>:   <Buchungsformular_Broschuere_Erleben_2024_SZO.pdf>    




----------------------------------------- 

Im kreativen Fluss des Lebens  



Manuela Stauffacher   

Atelier / Begegnungsraum: 
Jonastrasse 7, 8636 Wald  
076 296 22 39  

manuela@kreativemanu.ch 
www.kreativemanu.ch 
info@fliessendleben.ch 
www.fliessendleben.ch   

Blog: www.stauffacher.manü.li



23. Januar 2024   

Vergeben – Der Schlüssel zur Freiheit, Leichtigkeit und Lebendigkeit.   

Ich wurde gefragt, was der mittlere Hund unter dem Teppich bedeutet. Am 5. Januar habe ich über meinen Prozess während der Sterbebegleitung meines Vaters geschrieben. Dabei ist ein persönliches Thema, etwas Unausgesprochenes, aufgetaucht. Das Anliegen, vor seinem Tod Klarheit zu schaffen, wurde dringend. Das Thema Verzeihen und um Vergebung bitten war präsent.   

Nun bin ich wieder vermehrt auf das Thema in meinem Umfeld gestossen und möchte deshalb einen Blogbeitrag dazu schreiben.  

Aus meiner eigenen Erfahrung weiss ich, dass der Prozess des Verzeihens keine leichte Sache ist. Ein Leichteres wäre es, das Thema einfach da unter dem Teppich zu lassen. Für Ballast dieser Sorte, passt für mich das Sinnbild eines Lebensrucksacks nun besser. Die Motivation sich dem Gewicht zu entledigen ist damit grösser.  

Ich wollte mich zuerst manipulieren, indem ich mir einredete, dass es bestimmt vergessen ist, ich mir wahrscheinlich etwas einbildete oder es auch niemandem auffallen würde, wenn ich es nicht mache. Es kann sogar gut sein, dass das alles wahr ist, für jemand, der nicht ich ist. Da ist auch der springende Punkt: Ich muss es für mich machen, weil ich das wahrnehme und spüre. Es belastet mich.   

Vergeben hat somit eine wundervolle Doppelwirkung: Allen Beteiligten wird Freiheit geschenkt. Es kann sich aber auch um ein und dieselbe Person handeln, nämlich um mich selbst. Kann ich mir Handlungen oder auch Nichthandlungen verzeihen?

Im Gegensatz dazu finde ich um Vergebung zu bitten nicht weniger schwierig, weil darin die Angst vor Ablehnung mitschwingen kann. Die Person auf der Seite des Verzeihens, ist in diesem Moment an der Macht. Nach der Opferrolle ruft verlockend die Täterrolle. Das ist dann die Situation, wo du entscheidest: Werde ich zum Täter oder trete ich aus dieser manipulativen Rolle aus?   

Entscheide dich für die Lebendigkeit, für das Fliessen und Loslassen – ich kann es aus persönlicher Erfahrung wärmstens empfehlen. 

Wie gelingt mir Vergebung?
Ich glaube das sind völlig individuelle Prozesse. Dauer und Intensität sind abhängig von deinem Weg und der Strategie, die du wählst.   
Mir hat es geholfen allein zu reflektieren, mich zu fragen, was es genau ist und welchen Satz ich dafür brauche. Die Essenz heraus filtern und klar zu formulieren. «Ich verzeihe dir, dass…» Ich brauchte meinen Satz nur im Kopf zu haben, er kann aber auch aufgeschrieben oder laut ausgesprochen werden. Vielleicht brauchst du eine Vertrauensperson, die dich in deinem Prozess unterstützt. 
Bei mir hatte die (aus meiner Sicht) zu verzeihende Sache eine Reaktion meinerseits ausgelöst, für welche ich wiederum um Verzeihung bitten wollte. Ich glaube das passiert oft auch unbewusst als Schutzstrategie oder aus der Haltung: «Wenn du das machst, dann räche ich mich so.» Ich bin froh, dass ich auch in diese Richtung nachgeforscht habe, es hat sich gelohnt!


Ich wünsche allen Menschen Sanftmut und Liebe, um in Prozesse der Vergebung eintauchen zu können und mehr Frieden zu erfahren.

Mein Filmtipp zum Thema: Die Hütte



18. Januar 2024   

Meiner natürlichen Intelligenz vertrauen.  

Ich bin in eine Gesellschaft von Menschen hineingeboren, die wussten, was richtig und was falsch war. Nach deren Vorstellungen bin ich aufgewachsen, sie haben mich geprägt. Mir wurde nicht nur gesagt, was ich zu tun und zu lassen hatte, ich liess mir sogar sagen, wie ich mich fühle und versteckte meine eigenen Bedürfnisse.   

Umso anstrengender waren für mich die letzten Jahre, die so viel Veränderungen brachten. Der Aufwand für meine Freiheit hat sich gelohnt. Daraus ist eine lebenslange Forschungsarbeit geboren, die meine Lebendigkeit nährt.   

Das Thema Erinnerungen hat mich um den Jahreswechsel stark beschäftigt. Der Auslöser dafür entstand in Beziehung mit einer mir nahen Person. Ich habe mich unter Druck gefühlt, weil ich mich nicht an das mir Anvertraute erinnerte. Dabei ist mir klar geworden, dass ich vor allem das Gefühl vermeiden möchte, Menschen zu verletzen. Wir entscheiden schlussendlich individuell, was wichtig (für uns) ist.  

Trotzdem habe ich auf einen Wunschzettel für dieses Jahr «Erinnerungen – abrufen, nutzen, lernen» geschrieben. Auf dem Weg ins neue Jahr bin ich der künstlichen Intelligenz begegnet. Sie erinnert sich an unser kollektives Wissen, kann es abrufen, wir können es nutzen und daraus lernen. Ich bin verblüfft!   
Als Manuela möchte ich mich aber an meine eigenen Erfahrungen erinnern, an solche, die mir wichtig sind. Erlebnisse mit Mitmenschen, die verbinden und prägen, abrufen können. Aber als ich hörte, dass der Grossteil unserer Erinnerungen konstruiert ist, hat mich das ernüchtert. Ist nicht alles, was uns wirklich bleibt, die Gegenwart?   

Ich kann mich mit Leichtigkeit auf neue Situationen sowie Menschen einlassen. Diese Gabe ermöglicht mir ein Zusammengehörigkeitsgefühl ohne gemeinsame Erinnerungen. Vielleicht habe ich diesen Wunsch mehr für meine mir nahe Person aufgegeben als für mich selbst. Das Interesse für meine Mitmenschen ist ehrlich und gross. Ich merke, wie ich selbst sanft bin mit meiner Vergesslichkeit.   

Dank der KI darf ich mich nun ganz meiner natürlichen Intelligenz hingeben. Vertrauen, fliessen und Wünsche wahr werden lassen.



5. Januar 2024

Sterben.

Im Sommer 2023 ist mein Vater gestorben.

Vom ersten Unwohlsein bis zum Tod vergingen 5 Wochen.
Es hiess er habe Krebs und sie machten Untersuchungen.

Als ich von seiner Krankheit erfuhr, dachte ich: ah. (oder oh. - jedenfalls nichts Emotionales). Meine Reaktion machte mich stutzig, es war immerhin mein Vater und ich hatte kein schlechtes Verhältnis zu ihm. War das alles?

Ich liess die Nachricht wirken und forschte nach. Woher kommt diese Kälte?

Tatsächlich stiess ich auf ein Thema, etwas Unausgesprochenes. Ich hatte es über Jahre unter den Teppich gekehrt und nun sass es da, in der Grösse eines mittleren Hundes. Meine bequeme Seite fand: „Lass es da, keiner wird es merken oder erfahren.“ Aber ich wollte nicht. Prozesse gefallen mir, also machte ich mich an die Arbeit.

Ein plötzlicher Impuls liess mich spontan bei meinen Eltern auftauchen, bevor er ins Spital musste. Sein Zustand war viel schlechter als ich erwartet hatte. Ich kauerte mich neben sein Bett und hielt seine Hand. Er brachte keinen zusammenhängenden Satz mehr heraus, also verzieh ich ihm in Gedanken und mit meiner Präsenz und spürte, dass auch er mir verzieh. Diese ruhige Zweisamkeit fühlte sich friedlich und zeitlos an.

Ich habe ihn losgelassen.

Eine Woche später hiess es, dass die Ärzte nichts mehr machen können. Meine Schwester und ich reisten ins Spital. Unterstützt von zwei Pflegern entschieden wir zusammen mit Mami, dass Papi’s letzter Wunsch ermöglicht werden soll. Nach meiner Nachtwache bei ihm im Spital, organisierte ich am nächsten Tag den Krankentransport mit allem Drumherum, damit er ins Maiensäss gebracht werden konnte. Am Abend fanden wir uns im, von meiner Schwester, wunderschön eingerichteten Heustall wieder.

Der Moment war magisch. Wir drei wussten, wo wir die Prioritäten setzen wollten und haben perfekt harmoniert. Es war uns wichtig auf Papi’s letzter Reise da zu sein und unser Möglichstes zu tun.

Ich habe mit Mami die Nachtwache im Kerzenschein geteilt.

Am Morgen danach schien die Sonne, wir fühlten uns bereit und warteten gespannt. Wir sagten ihm, dass er gehen darf, wenn er möchte, weil wir ihn alle drei frei lassen. In der friedlichen Stille war nur sein schneller Atem zu hören. Wir gingen nach draussen, so hatte er die Möglichkeit alleine zu sterben.

Es wurde Mittag und es kamen Freunde. Wie abgesprochen, wechselten sich die Besuche von Geschwistern und deren Familien ab. Als wir am späten Nachmittag wieder nur im kleinen Rahmen mit den Freunden waren, fühlte er sich bereit. Wir standen versammelt um sein Rollbett, als ich sagte, dass er nicht mehr kämpfen muss. Im selben Moment atmete er lange und ruhig aus. Wir waren ergriffen von der plötzlichen Ruhe und ich sagte ein paar begleitende Worte zu ihm (etwas von einem Regenbogen und seinem Ritt darüber), als er plötzlich mit einem erschreckten Gesicht geräuschvoll nach Luft schnappte. Da wurde aus dem Ritt ein Galopp, ich blieb dran mit meiner verbalen Begleitung, als er das noch ein paarmal immer geschmeidiger wiederholte und schliesslich seinen letzten Atemzug machte.

Mir gefällt 17:17 Uhr als Todeszeitpunkt.

Er wollte einen speziellen Sarg. Als ich ihn damals danach fragte, schaute er mich nur mit seinem listigen Blick an und meinte, ich würde mich wundern. Das tat ich tatsächlich, als ich einen Tag später meinen Reservesarg von zu Hause bemalte. Mami erinnerte sich nämlich daran, dass er eine gewöhnliche Kiste als Sarg wollte. So hatte er nun beides: eine speziell angemalte Kiste!

Meine Schwester und ich kleideten ihn ein und hievten ihn in den Sarg, als die Totenstarre wieder nachliess. Sie schmückte und gestaltete das Sarginnere mit ihrer wundervollen Fähigkeit zu dekorieren. Papi lag in einem Beet voll Moos und Gaben aus dem Wald, sein Jägerherz wäre gehüpft, wenn es noch geschlagen hätte.

Zweieinhalb Wochen später versammelten sich rund achtzig Menschen trotz umständlicher Anreise auf dem Maiensäss. Papi’s Urne fand ihren Platz, da wo schon Eni und Nani ihre letzte Ruhestätte haben. Wir hörten uns sein Lieblingslied an, welches ich in seinen letzten Tagen oft für ihn abspielte. „Dr Schacher Seppli“ von Ruedi Rymann, berührte nicht nur mich an diesem Anlass mit seinem Text vom Vagabunden. Einige teilten persönliche Episoden, die sie mit Hitsch (so wird ein Christian von da oben genannt) erlebten und jede Person durfte sich zum Andenken eine Kerzenständer-Kreation von Papi aussuchen. Dann leerte sich der abgelegene Ort wieder und machte der andächtigen Stille Platz.

Ich mag diese Ruhe nach dem Sturm, aber auch diese Ruhe vor der Sturm. Die Stunden, die ich in Zweisamkeit mit dem kranken Papi zur Heilung meiner Seele verbrachte und die Zufriedenheit nach dem Ablösungsprozess. In Dankbarkeit für diese besondere Erfahrung, die er mir mit seinem Tod schenkte, wünsche ich ihm eine gute Reise.

Unsere Vergänglichkeit verbindet uns und die Gewissheit um den eigenen Tod erweckt in mir eine besondere Lebendigkeit.



3. Januar 2024

Das Handy-Objekt

Meine Weigerung ein eigenes Handy zu haben, hielt nicht lange an. Ich glaube mein Erstes wurde mir geschenkt. Lange glaubte ich problemlos wieder ohne Handy sein zu können. Als ich die Abhängigkeit bemerkte, beschloss ich einen handfyreien Monat zu machen. Obwohl ich diese Idee ein paar Menschen anvertraute, verliess mich der Impuls oder der Mut und mein Verstand hinderte mich daran, das Vorhaben umzusetzen.

Ich, der Freigeist, muss resigniert feststellen, dass ich nicht ohne mein Handy sein möchte.

Wie aber finde ich einen nutzvollen Umgang, ohne mich durch das Objekt kontrolliert zu fühlen?

Es wirkt wie ein stetiger Prozess.

In der Auseinandersetzung mit dem Thema Loslassen spielt das Handy für mich eine zentrale Rolle.
Entstanden ist das vier Quadratmeter grosse Handy-Objekt. Längsseitig aufgeklappt, bietet es auf der linken Seite Platz für stumm parkierte Handys und die rechte Seite zeigt einen Teil seiner Multifunktionalität.
Ich schätze neben seiner Grundfunktion - dem Telefonieren - die Speicherung von Fotos, Videos und Musik. Ich nutze Online-Banking, löse ÖV-Billette und fahre nach dem Navigations-System. Oft war ich froh um die Taschenlampe und den Rechner. Es ersetzt nicht nur einen Wecker und die Stoppuhr, sondern bietet dazu differenzierte Klingeltöne, sowie individuelle Musik und Audioaufnahmen.

In meinem Reflexionsprozess wurde ich von meinem Kunstobjekt unterstützt.
So fand es am ersten Probe-Abschied am 25. September 2023 seinen Platz in der Küche. Während Wochen lebte ich mit seiner unbequemen Präsenz, mich in meinem Alltag einschränkend. Parallel dazu minderte ich meinen Handy-Konsum, stellte vermehrt auf Flugmodus und liess es während Spaziergängen zu Hause. Als mir bewusst wurde, dass es mir gelang mehr handfreie Zeit zu geniessen, durfte das Objekt im Gästezimmer seinen neuen Platz einnehmen.

Liebes Handy, ich bin voller Ehrfurcht!
Ich ehre deine Genialität und fürchte die Abhängigkeit von dir.

Unsere Geschichte geht weiter, noch habe ich dich nicht losgelassen…



1. Januar 2024  

Freiheit   

Auf der Welt ist Freiheit relativ. Da ist mein Körper, der mich an einen Raum bindet und die Zeit, die meine Lebensdauer beschränkt.  

Grenzen entstehen auch häufig in meinem Kopf. Dazu begegnete ich einem passenden Spruch:«Hör auf zu fragen, ob du kannst, frag doch, ob du willst.» 
Ich staune in meinem Alltag oft darüber, was möglich ist und welche Wünsche sich erfüllen, wenn ich etwas wirklich von Herzen möchte. Wenn ein Impuls da ist, verschieben sich plötzlich die Prioritäten und ich nehme mir die Freiheit ihm zu folgen – wenn es dann mein Verstand zulässt.

Mein Auto bedeutet für mich Freiheit. Unterwegs, mit dem Autoradio an, fühle ich mich unabhängig und frei. Gölä holt mich textlich ab mit seinem Song «Wie dr Wind». 
Mir gefallen Autos, die Designs, die Schnelligkeit – am liebsten selbst auf Rennstrecken – und das Transportieren von Menschen und Materialien. Wenn mir die Umwelt nicht so wichtig wäre, dann würde ich es mehr benützen.   

Da erkenne ich den wichtigen Aspekt von Freiheit: Ich lebe meine Freiheit, solange sie niemand anderen oder etwas anderes einschränkt oder benachteiligt. Als Teil des Kollektivs lebe ich gerne angepasste Freiheit.   

Ich freue mich sehr, dass ich zum Jahresbeginn heute in einer Woche, meinen Probe-Abschied feiern darf. Nimm dir die Freiheit, um dich mit anderen Menschen über deine eigene Vergänglichkeit und über den Tod generell auszutauschen. Eine weitere Auferstehung zu erleben ist meine persönliche Freiheit.



24. Dezember 2023   

Wo bleibt die Zeit?  

Sie ist zurzeit Thema Nummer eins in meinem Umfeld, also auch in meinem Leben. Das passt, denn sie ist das wertvollste Gut. Lebenszeit. Ist sie um, sterben wir – so einfach.   

Wie wertvoll sie für uns ist, spiegelt sich in der Art und Weise, wie wir sie nutzen. Damit meine ich weniger die Tätigkeiten, sondern vielmehr die Bewusstheit dabei. Mir bewusst Zeit nehmen für etwas oder jemand. Daher ist die Wahrnehmung der Zeit subjektiv. Selten weiss ich nicht, was ich mit ihr anfangen soll, meistens hätte ich gerne mehr zur Verfügung.   

Um die Weihnachtszeit spüre ich oft noch mehr Impulse als sonst, meine Zeit zu verschenken. Dieses Jahr wirkt diese Geste für mich jedoch wie ein Dilemma. Ich nahm mir oft spontan Zeit für meine Mitmenschen und als ob ich das schon im November ahnte, buchte ich eine kleine Auszeit kurz vor Weihnachten – aber auch nicht allein.   

Wo bleibt nun mein Vorsatz zum Rückzug? 
Kaum komme ich zu Hause bei mir an, lockt die nächste Anfrage. Ich fühle mich wie ein Tier, das seinen Instinkten ausgeliefert ist und keine Grenzen mehr erkennt. Verbindungen zu Menschen wirken auf mich wie Drogen. Dabei vergesse ich gerne, dass ich diese Verbindung auch allein verspüre – manchmal noch intensiver.   

So blieben dieses Jahr handgeschriebene Weihnachtsgrüsse seit Jahren erstmals auf der Strecke. Obwohl ich diese Geste sehr schätze, fiel auch die Briefpost an mich spärlich aus. Ich bedaure mir keine Zeit dafür genommen zu haben.   

Während zehn Tagen vernachlässigte ich sogar meinen geliebten Blog, so dass es mich um 2:34 Uhr nicht mehr schlafen liess. Jetzt klappt es hoffentlich noch ein wenig, denn ich habe heute keine Zeit mehr… ;)   

Ich wünsche eine bewusst genutzte Lebenszeit mit Freiraum für Überraschungen und Wunder.



14.Dezember 2023   

Zuhören bewegt mein Herz.   

Es ist kurz vor 1 Uhr, ich sitze zufrieden im Bademantel vor meinem Bildschirm und töggele mein Erlebnis nieder.   

Seit fünf Jahren fahre ich zu unterschiedlichen Zeiten an dieser Bar vorbei. Nach einem langen Tag bin ich auf dem Nachhauseweg und passiere sie auf halber Strecke, vor Mitternacht. Eine Cola wäre nicht verkehrt. Ob ich mich traue, in einem fremden Kaff, allein in eine Bar zu sitzen? Tatsächlich brauche ich zwei Anläufe, fahre vorbei, kehre um, fahre wieder los und wende erneut. Ohne mich nochmals zu besinnen, trete ich ins musikbeschallte Innere. Der vordere Teil ist leer und im spärlich abgegrenzten Raucherbereich treffe ich auf ein verliebtes Paar und eine Frau, die hinter dem Tresen auf ihr Handy schaut. Die zwei angetrunkenen Turteltauben beachten mich nicht und auch die vermeintliche Gastgeberin macht keine Anstalten mich zu sehen. Verlegen greife ich zur Bierkarte, obwohl ich weiss, was ich möchte. Als das aktuelle Musikstück endet, frage ich schnell in die kurze Stille, ob ich eine Cola bekomme. Erschrocken fährt die Frau hoch und entschuldigt sich. Mein Getränk holt sie im vorderen Teil und da setze ich mich an die Bar. Sie fragt, ob ich rauche. Wenn sie mir eine Zigarette gibt, ja. Ich setze mich im hinteren Teil mit ihr an die Bar und sie erzählt mir mit müden Augen ihre Geschichte.   

Die schwierigen Zeiten während Corona und wie sie danach den Laden allein schmiss. Lange nur ein freier Tag die Woche, gönnt sie sich seither zwei. Für die kehrt sie in ihre Wohnung zurück zum Regenerieren, ansonsten benutzt sie das Zimmer über der Bar. Ihre Gäste kommen verteilt, so dass sie meistens bis 2 Uhr geöffnet hat. Sie merkt, dass ihr Körper an Grenzen stösst und hat sich entschieden Ende Jahr eine Auszeit zu machen. Für zwei Monate kehrt sie in ihr Heimatland Brasilien zurück und schaut danach spontan. Schön, dass sie ihre Bedürfnisse wahrnimmt. Die Zigarette ist schon lange geraucht, die Cola getrunken und ein Lied zu Ende. Ich verabschiede mich mit einer innigen Umarmung und wünsche ihr alles Gute. Beim Ausgang drehe ich mich um und wir winken uns nochmals zu. Mit einem warmen Herz, einem sprudeligen Bauch und einem Lächeln im Gesicht, verlasse ich die Bar um ein Erlebnis reicher.   

Wenn ich das nächste Mal daran vorbeifahre, hat sie für mich eine Geschichte. 



12. Dezember 2023  

Ich bin schwach geworden ohne meine Medizin.   

Die letzten Wochen hörte ich den Ruf nach Rückzug in mir wieder verstärkt. Schon seit Jahren geistert die Idee nach einer längeren Auszeit, ganz allein (vielleicht mit Hund), in meinem Kopf herum.   

Dass neben Ideen auch noch viele andere Gedanken unablässig in meinem Kopf herumkreisen, wurde mir gestern wieder mal bestätigt. Mich selbst zu erkennen, fällt mir als Luftwesen schwer, deshalb finde ich es erleuchtend, wenn mir eine Fachperson in die Seele blickt und meinen Charakter treffend beschreibt. Ich habe mich fast ausnahmslos begeistert wiedererkannt.   

Ich lebe für Beziehungen, sie machen mich lebendig. Dazu gehört auch die Beziehung zu mir selbst. Meine Seele wünscht sich mehr Raum und Stille, um sie zu pflegen. Den Impuls zum Rückzug habe ich gespürt, jedoch nicht so radikal umgesetzt, wie ich mir das eigentlich wünsche. Eine positive Auswirkung meiner Abgrenzung, äussert sich beispielsweise in meinem Blog. Wo ich mich sonst mit mehreren Menschen austausche, verarbeitete ich meine Gedankengänge allein vor meinem Bildschirm. Weil ich mir die letzten zwei Tage keine Zeit für meine momentane Medizin genommen habe, zeigt sich das möglicherweise im aktuell tiefen Energielevel.   

Heute morgen spürte ich die Sehnsucht nach Auszeit ganzheitlich, tief und emotional. Es ist ein Herzenswunsch.   

Da ich Wortspiele liebe, habe ich mir folgendes ausgedacht:
«Im Mai gang ich hei und im Juni chumi.» 
Bedeutet übersetzt, dass ich im Monat Mai auf die Suche nach meiner inneren Heimat gehe und erst im Juni zurückkehre. 
Ich teile dies hier bewusst, weil ich gerne Zeugen habe, die mich im Zweifelsfall an meinen Vorsatz erinnern können und es mir leichter fällt, ihn umzusetzen.  

Ich spüre das eindeutige Ja in mir und werde sogleich im Aussen unterstützt.  

Seit einigen Jahren verzichte ich auf Medieninformationen. Nicht krampfhaft oder bewusst, ich spüre einfach keinen Impuls und sehe keine Notwendigkeit darin. Spannenderweise hörte ich kürzlich dazu im Radio zweimal die Aussage, dass es keine Lösung ist, nicht informiert zu sein. Ich fühle mich gut dabei und habe nicht das Gefühl etwas zu verpassen. Eher das Gegenteil: Ich spüre dabei eine gewisse Ablenkung vom eigenen Leben. 

So ist mein Medienkonsum reduziert. Manchmal schaue ich mir eine 20min an, wenn ich im öffentlichen Verkehr unterwegs bin oder blättere die Coopzeitung durch, die jeden Dienstag den Weg in meinen Briefkasten findet. Heute erst, wo ich später bestimmt auf die neue Ausgabe treffe, fand ich die Musse, sie zur Hand zu nehmen: «Du bist stark.» heisst es auf meinem Titelbild. Ja: auf meinem. Ich entnehme dem Inhalt, dass die Redaktion verschiedenste Botschaften druckte und somit individuelle Covers in den Haushalten landeten. Was für eine zauberhafte Idee - ich bin begeistert und treffe bei vielen Beiträgen auf Resonanz. Mir gefällt das humorvolle Editorial von Silvan Grütter, das mich oft zum Schmunzeln oder sogar zum Lachen bringt. Diesmal lese ich sogar «Silber und Gold» von Silvia Aeschbach, wo sie ihre Emotionen zeigt, und treffe eine Seite weiter auf den Titel: «Wenn mal eine Träne kommt, ist das okay» und breche sofort selbst in Tränen aus.  

Wenn Worte die Liebe beflügeln:
Ich liebe mich, ich liebe dich und ich liebe das Leben.



9. Dezember 2023   

Balabalabumbabumbabumba.   

Manchmal finde ich keine passenden Worte für mein Befinden, weiss nicht was mir fehlt oder mich unzufrieden stimmt. Mein Verstand arbeitet dann auf Hochtouren, um eine Erklärung zu finden, einen Grund, etwas, das schuld sein könnte. Nichts. Wie unbefriedigend.   

Eine perfide Ambivalenz lässt mich dumpf in einem Vakuum zurück. Ich möchte alle meine Ideen sofort verwirklichen und gleichzeitig überkommt mich eine lähmende Müdigkeit. Klar, dass dann der erwartungsvolle Blick meines Hundes mich nervt, er spiegelt mich. Dann noch der pflichtbewusste Spaziergang, der zur Tortour wird, weil er überall eine gefühlte Ewigkeit schnüffelt und ich nur so schnell wie möglich in meinen Sumpf zurück möchte. Ich sitze hungrig im Selbstmittleid da, anstatt mir etwas Nährendes zuzuführen.   

Heute Morgen endlich die Erlösung. Vorfreude auf ein Treffen, lässt mich in einer lockeren Stimmung losspazieren. Die Natur begleitet mich unterstützend. Ein freches Eichhörnchen kreuzt meinen Weg und schaut mich, aus dem Geäst neben mir, neugierig an. Seine Botschaft ist, dass ich Vorräte an Ressourcen anschaffen soll. Mit Leichtigkeit und Freude Früchte des Lebens sammeln. Ich steige über den Nebel in die Sonne. Ein Bussard erinnert mich an die Weitsicht, die mir die letzten zwei Tage fehlte. Zu spät fällt mir wieder mal der Brief ein, den ich mir selbst in einer erfüllten Zeit für eine schwierige Zeit geschrieben habe. Auch die Zettel mit verschiedenen kleinen Freuden eines Alltags, die für denselben Zweck entstanden sind, kommen mir nun in den Sinn. Ich wäre also vorbereitet, aber manchmal auch für das zu blind.   

Als dann während dem Innehalten, eine winzige flauschige Feder vor mir in meine ausgestreckte Hand gleitet, ist die Magie des Lebens endgültig zurück.



7. Dezember 2023   

Darf ich noch etwas fragen?   

Diese Frage hat mich vor einiger Zeit so genervt, dass ich sie nicht beantwortete. Ich merke im Nachhinein, dass ich zu wenig auf meine Grenzen geachtet hatte. Nach einigen Nachrichten hin und her, hätte ich merken sollen, dass mein Schreibpartner noch nicht so konkret werden wollte, wie ich es gerne geworden wäre. Also beantwortete ich seine Fragen, bis ich zu ungeduldig wurde.   

Was soll eigentlich (auch so ein doofes Wort) diese Frage? Damit hast du ja schon gefragt und wenn die Antwort nein wäre, würde es sich bereits um eine Grenzüberschreitung handeln. Hättest du nur noch eine letzte Frage, dann wäre sie das bereit gewesen. Pech!   

Oder Pech für mich, weil ich mich immer noch leicht säuerlich fühle. Ich dachte schon, dass ich das Thema heute im Blog verarbeiten kann und dann loslassen darf. Fühlt sich grad noch nicht danach an, aber es kann ja noch werden.   

Und was nervt dich?



6. Dezember 2023   

Tradition. Bräuche. Sich zyklisch wiederholende gesellschaftliche Tätigkeiten.   

Als Freigeist, liebe ich das luftige, ungebundene Sein. Wenig Verantwortung, seltene Verpflichtungen, keinen Plan. Schön wär’s – oder? Die Wahrheit sieht unbequemer aus. Mir fehlt zuweilen der Gegenpol für Spannung, Herausforderung, sogar Lebendigkeit. Die Erdung.  

Ich geniesse Rituale verschiedenster Art. Selten gelingt es mir während dem Zähneputzen ganz bei der Sache zu sein und beim Abwasch aufmerksam zu spülen. Bin ich achtsam, ist der Augenblick ein anderer. Wenn ich durch den Wald gehe und zum Beispiel an einem Blog-Beitrag rumstudiere, ist die Wahrnehmung eingeschränkt, da ich abgelenkt bin. Komme ich jedoch in einem solchen Moment bewusst in meinen Körper und wende meine Sinne der Umgebung zu, dann scheint sie sich magisch auszudehnen. Vor dem Einschlafen gehe ich zu meinem Hund, sage ihm, dass er ein feiner ist, gut schlafen soll und dass ich ihn liebe.   

Dieses Jahr war ich am Chlauseinzug. In der Kirche hörte ich mir traditionelle Musik an, lauschte der ursprünglichen Geschichte und sang Samichlaus-Lieder. Es fiel Schnee und im dezenten Licht hatte es leichten Dunst. Die grossen Glocken der nahenden Trychler schallten durch den Dorfkern und die Gesellen des Samichlaus chlöpften mit ihren Geiseln. Der Anblick von meinem frontalen, erhöhten Platz war mystisch. Die dunklen nahenden Gestalten, mit ihren rhythmischen und kraftvollen Bewegungen, in der Formation. Dahinter die wilden, temperamentvollen Jungen mit ihrem dynamischen Handwerk. Das Ende ihrer Geisel machte nicht nur einen ohrenbetäubenden Knall, sondern hinterliess auch kleine Wölkchen, wie ein Spezialeffekt. Auf dem Platz durften sich die Kinder mit ihren Laternen das Licht vom Samichlaus holen. Berührt betrachtete ich die Gesten und fühlte mich verbunden.   

Vielleicht schaue ich heute einem Grittibänz tief in die Augen und du?



5. Dezember 2023   

Liebes Universum, ich wünsche mir…   

Seit über 5 Jahren bringe ich regelmässig Wünsche beim Universum an und das funktioniert recht gut. Das hat mit meiner Haltung zu tun. Einerseits glaube ich daran, ich vertraue darauf, dass die Lieferung fristgerecht ankommt, und ich freue mich jedes Mal wie ein Kind - als ob es das erste Mal wäre - wenn es klappt.   

Gestern betrachte ich meinen Kerzenständer, der etwas wackelig, auf der unbefriedigenden Lösung aus einem Plastikunterteller, steht. Ich messe den Durchmesser, der neuen, edleren Variante, die ich in meinem Kopf habe. Dann – etwas vom Wichtigsten – entspanne ich mich, gehe nicht auf die Suche und mache mir möglichst wenig Gedanken zum Weg dazu (den weiss ja nur das Universum).   

Meine zwei Entsorgungs-Taschen haben sich gefüllt und ich verbinde den Halt beim Walder «brings» mit einer Autotour. Beim Rückweg zum Auto, halte ich bei der Truhe für Edelmetalle inne und spähe rein: Da ist sie ja! Uh, 30 Zentimeter Durchmesser könnte knapp sein… Ich ziehe sie raus und die Frau vom Entsorgungspark schaut mich äusserst ernst an. Weil das nicht mein erstes Mal ist, bin ich vollkommen entspannt, strahle sie an und frage, ob sie mir das Tablett messen würde. «Das gehört uns», sagt sie streng. Damit habe ich gerechnet, also entgegne ich locker, dass mir das bewusst sei und ich das Stück ihnen gerne abkaufen würde, falls es dann den gewünschten Durchmesser hat. Sie wirkt ein wenig verdutzt ab meiner selbstverständlichen Art und besorgt sich einen Massstab. Könnte passen. Sie soll sich überlegen, wie viel sie dafür möchte und in der Zwischenzeit hole ich das Geld. So hat sie einen Moment für die Besprechung mit einem Mitarbeiter.  

Für 5 Franken habe ich nun das perfekte Silbertablett unter meinem Kerzenständer! Wundervoll.



4. Dezember 2023   

Ich mag Sinnbilder.   

Vor mir liegt ein Trampelpfad im Schnee. Daneben Pulverschnee. Die Konsistenz erinnert mich an den Puderzucker, den ich für die Guetsli verarbeitete.   

Mache ich neue Spuren, fühlt sich das nach mehr Verantwortung an. Es ist aufwändiger, strenger und hat einen Hauch von Einsamkeit. Aber auch von Freiheit. Wenn ich zurückblicke, sind die Abdrücke definiert, haben Charakter, werden gesehen. Entferne ich mich zu weit vom Pfad, könnte ich mich verirren und verloren gehen. Von niemandem mehr wahrgenommen, verschwinden.   

Wenn ich meinen Körper beobachte, während ich auf dem glatten Pfad gehe, dann spannt er sich an. Die Idee auszurutschen ist fast allgegenwärtig. Tief in den Bauch atmen, an Erdung denken, entspannen – es gibt da etwas, das gegensteuert und ich weiss weder, woher es kommt, noch was es ist. Ich möchte kuhl sein, aber es gelingt mir nicht. Wie geht «man»? Wie machen das «alle»? Was passiert, wenn ich stolpere?   

Zwischen Trampelpfad und Tiefschnee, gibt es eine Zone, die mir gefällt. Ich rutsche weder aus, noch verirre ich mich in den Weiten der Möglichkeiten.



3. Dezember 2023   

Umgang mit Fülle.   

Gestern machte ich mit folgendem Text bei «Aktuelles» (mein Status) im WhatsApp auf meinen Blog aufmerksam:   
«Schnee-Bilder sehe ich genug… Mach dir selbst ein Bild mit meinem Schnee-Text»  

Ich hatte wohl das Bedürfnis mich von der Masse abzuheben. Heute fühlt sich das nicht mehr richtig an. Ein Gefühl von tiefer Verbundenheit breitet sich in mir aus, wenn ich durch die zauberhaft verschneite Landschaft spaziere. Beim Anblick dieser natürlichen Fülle steigen Tränen der Dankbarkeit in meine Augen.   

Mein Hund hat ausserordentliche Sinne, aber der Sinn für Ästhetik kann ich nicht mit ihm teilen. Trotzdem fühle ich mich nicht allein und ich freue mich schon auf die wundervollen Fotos in den Statusmeldungen von meinen Kontakten. Danke, dass ihr eure Sicht der Welt teil und euch damit zeigt.   

Wie gehe ich mit Widersprüchen um? Während ich in der Fülle aufgehe, erleben andere Zeiten des Mangels. Dies auszuhalten ist für mich nicht einfach und doch habe ich diesen wichtigen Aspekt entdeckt. Das Leben auf der Erde existiert durch Polarität: Einatmen – Ausatmen. Niemandem ist gedient, wenn ich aus meiner Fülle gehen, nur weil ich das Gegenteil nicht aushalte.  

Während ich gestern ein feines Mittagessen genoss, mit einer Freundin, die ich selten sehe, wusste ich gleichzeitig, dass ich anderswo vermisst werde. Im Nachhinein ein schlechtes Gewissen zu haben bringt nichts – schön die Theorie. Über Nacht habe ich es verdauen können und heute sieht die Welt um mich nach Neuanfang aus! Das kann jeder Tag.




2. Dezember 2023   

Hurra Schnee!  


Ich ziehe den Vorhang zur Seite und da ist sie: Die weisse Pracht. Weihnachtsstimmung kommt bei mir manchmal mit Schnee einher.   

Die Eiskristalle klingen auf der glatten Oberfläche meiner Jacke, der frische Schnee knirscht unter meinen Sohlen und der frühe Samstagmorgen fühlt sich noch stiller an als sonst.   

Mein Hund schnüffelt aufgeregt nach vom Weiss zugedeckten Gerüchen. Hie und da malt er gelbe Sonnen, einzelne Sterne oder ganze Galaxien in den Schnee – je nachdem wie viel er aus seiner Blase herauskriegt.   

Unter meinen Kleiderschichten wird es warm und ich halte bei einem Baum inne, der seine Blätter noch nicht abgeworfen hatte. Der Kontrast des orangegelben Laubes, dem dunklen Stamm und dem Schnee ist wunderschön. An einem klassischen Wintertag wirkt vieles so neu und manchmal entstehen lustige Formen aus bekannten Gegenständen.   

In zwei Wochen wird Listo 8 Jahre alt, aber im Schnee wirkt er um Jahre jünger. Der Abenteurer, Entdecker und Spielfreudige hüpft durch die Märchenlandschaft, dass mir das Herz aufgeht. Wenn ich seine Beine mit Vaseline eingeschmiert hätte, würde diese Freude um einiges länger anhalten. Jetzt aber bilden sich bis tennisballgrosse Schneebälle an seinem flauschigen Fell. Da hilft auch sein Macho-Gang nichts, die Kugeln wachsen stetig. Bereitwillig lässt er sich von mir helfen und ich zerdrücke die grössten Klumpen. Zu Hause spülen wir den Rest in der Badewanne raus. Der schwarze Hund mit den weissen Bällen an den Beinen wirkt ulkig, ich finde das süss. Eine ältere Frau auf der Bahnhofstrasse bringt das auch zum Lachen.   

Ich wünsche mir Schnee: Neue Eindrücke, frische (Welt-)Ansichten, Entschleunigung und Abenteuer, Ruhe und Herausforderung, Stille und Lebendigkeit, Alleinsein und Verbundenheit.



30. November 2023   

Ich bin voller Ideen. Ein bunter Strauss an Lebendigkeit – oder?   

Wieso wählte ich mein Bild mit der Flexi-Leine und den bunten Hundekot-Beuteln für den Blog?

Es ist eine Gabe, könnte aber auch eine Errungenschaft sein, dass ich mich ab kleinen Dingen freue. 
Zum Beispiel an der Vielfarbigkeit der Plastik-Beutel, die an den schweizerischen Robidog-Behältern, und mittlerweile anderen Abfalleimern, zu bekommen sind. In meinem momentanen Wahl-Zuhause in Wald gibt es zurzeit 4 verschiedene Farben: Braun, rot, orange und blau – was für eine Vielfalt! Unterwegs in der Schweiz entdeckte ich gelbe in Lausanne und türkisgrünfarbene in Locarno. Es macht mir Freude die Leinen mit möglichst vielen verschiedenen Farben zu «schmücken». So nehme nur einen neuen Beutel, wenn die Farbe noch nicht dran ist. Schon zweimal wurde ich aktiv dafür belächelt – wie süss von ihnen – da lächle ich gerne zurück ;)   

Nun sitze ich in einem Berg von Tätigkeiten, die mir allesamt unglaublich viel Freude bereiten - und bin überfordert… Das Gegenteil von Lebendigkeit ist der Fall. Ich fühle mich blockiert durch die Fülle und möchte dann oft nichts machen.   

Es hilft mir dann von aussen einen «wichtigen» Auftrag zu bekommen, so wie heute: Ich backe Mailänderli!   

Beschwingt mit der Poschti-Liste in der Hand treffe ich auf einen Kollegen im Laden. Meine Stimmung steigt inmitten von Menschen und ich mache lockere Sprüche an der Kasse, wo die Schlange wächst. Mein Kollege meint ich wäre die perfekte Hausfrau, als ich mein Poschti-Wägeli bereitstelle. Ich werfe in die Runde, dass sie nicht alles glauben sollen, was sie sehen. Eine Frau meint scherzend: Doch-doch, das tut sie!  
 Vermeintlich niemand sieht mich als ich 5 Minuten später zurückkehre und mein stehengebliebener Einkaufs-Wagen an der Kasse versorgen komme…   

So, und jetzt muss ich hinter das Backen!




28. November 2023  

Wie wirke ich auf andere? Kann ich das überhaupt beeinflussen?  

Ich finde es spannend zu erfahren, wie ich auf jemanden wirke. Aktion und Reaktion. Mir gefällt es sogar absichtlich zu provozieren und Aufmerksamkeit zu erregen mit meiner entwaffnenden Ehrlichkeit. Ich spüre dabei eine aufregende Lebendigkeit und freue mich über Reaktionen.  

In «Wie wirke ich auf andere?» höre ich oft Unwohlsein mitschwingen. Angst vor Ablehnung und Verletzung. Mir gelingt es immer öfter daraus eine Neugier zu entwickeln. Wieso reagiert mein Gegenüber so oder so? Was löst meine Aktion für Gefühle aus? Spiegle ich grad eigene Themen?   

Wenn ich mir treu bin, also so lebe, wie es sich im Augenblick stimmig anfühlt, kann ich unbesorgt sein. Die eigene gegenwärtige Wahrheit zu sein macht mich unverletzlich. Ich trage keinerlei Verantwortung dafür, was mein Sein, meine Worte oder Taten in dir auslösen. Dafür bist nur du selbst verantwortlich. Ich bin lediglich dein Spiegel.   

Ich frage mich manchmal aus Gwunder: «Wie würde ich auf mich wirken?



25. November 2023   

Das ist nur mit dieser Methode möglich. - Ich glaube nicht.   

Somatisch gespeicherte Glaubenssätze und Prägungen, die uns als Schutzstile vor Verletzung schützen, sind schwierig zu lösen. Ihre Version hiess: Unmöglich – ausser mit der Strategie, ich nenne sie X.   

Mag sein – oder besser ausgedrückt: Wenn ich sie wäre, würde das zutreffen.   

Warum? Weil sie daran glaubt. Es ist ihr Glaubenssatz.  

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass mit Glauben vieles möglich ist. Meine Disziplin ist das Wünschen. Ich bin mittlerweile sehr zufrieden, was die Zuverlässigkeit der Erfüllung meiner Wünsche angeht. Geduld und Vertrauen sind zwei wichtige Komponenten.   

Manchmal will ein Thema über längere Zeit seine Aufmerksamkeit und erscheint mir in verschiedensten Situationen, bis ich mich ihm annehme, mich zuwende und es in einem Prozess verarbeite.   

Das sind zwei meiner Strategien, um dem Leben mit seinen Prüfungen, Herausforderungen und Übungen zu begegnen. Welches sind deine?



24. November 2023  

Ich wurde erwischt!   

Der Tag war voll und lang, noch schnell einen Blog-Eintrag meines Herzens, damit ich friedlich einschlafen kann – und dann kommt die Nachricht von einer Freundin. Gerade heute habe ich an sie gedacht, mich gefragt, wie es ihr ergeht. Ich möchte mich an ihren Prozessen beteiligen, mir gefällt ihre Reflektiertheit.   

Es ist gegen 21:21 Uhr, ein Telefonat liegt bei weitem drin, ich habe nichts mehr vor. Für meinen Verstand ist das eine klare Sache, alle Gründe sprechen dafür. Also lege ich mich für die Nacht bereit in mein Bett und wähle sie an.  

Während sie erzählt, überkommt mich eine grossartige Müdigkeit und ich beobachte, wie ich zeitweise wegdrifte und nur noch mein Unterbewusstsein einen Verlauf mitkriegt. Mein Verstand kann dennoch funktionieren und bildet sich ein alles im Griff zu haben. Also versuche ich mühsam zu rekonstruieren und ihr zu schildern, was bei mir von ihrem Gesagten angekommen ist.   

Hast du angerufen, weil du dachtest, du musst? Fragt sie mich geradeheraus. Ertappt, beschämt und irritiert, suche ich nach einer Erklärung. Mein Verstand wollte schon… Ich merke, dass da viel Ego dabei ist, wenn ich ausschliesslich meinem Verstand vertraue. Möchte ich ihr schmeicheln, mich um sie kümmern, von ihr geliebt werden? Ja. Wenn ich mich aber nicht aus purer Lebensfreude und aus reiner Selbstfürsorge bei ihr melde, ist das dann die richtige Energie?  

Ist es nicht eher so, dass ich automatisch geliebt werde, wenn ich das selbst auch tue und mich um mich selbst kümmere? Möchte ich mich doch aus einer Fülle heraus und nicht aus einer falschen Bedürftigkeit bei meinen Liebsten melden. Den ganzheitlichen Impuls dafür spüren und nicht einer, der vom Verstand zurechtgelegt wird.   

Meine engen Freunde, sind es ja deshalb, weil sie mich spüren, ehrlich sind und sich selbst reflektieren können. Und dann habe ich allen Ernstes die Idee, dass ich ihnen mit meinem Ego begegnen könnte – netter Versuch, Manuela!



23. November 2023   

Phu - wieso will ich mich nicht mitfreuen, wenn sich Menschen in meinem Umfeld verheiraten, Kinder bekommen oder sich einen Hund anschaffen?   

Die Vorstellung von Bindung und Verantwortung ist für mich überfordernd. Ja, ich habe auch einen Hund. Hätte ich aber gewusst, dass sich die Rahmenbedingungen ändern und er dann mit in mein neues Leben kommt – wer weiss…  

Ich liebe ihn und er nervt mich. Zusammen erleben wir abenteuerliche Momente, ich mag seine Nähe bei mir im Bett, gemeinsames heulen und mein Lieblingsgeräusch ist sein Schnarchen. Da sind aber auch seine Ängste und die Strategien dazu, die in mir Ungeduld auslösen, Begegnungen, die deshalb stressig sind und das aufwändige Organisieren rund um ihn.   

Wenn ich das so schreibe, dann bin ich nicht mehr sicher, ob ich es nun bereue, ihn zu haben, denn die guten Seiten sind die Erfahrung durchaus wert.  

Dem wahren Grund für meine Reaktion bin ich erst nach ausgiebigem Reflektieren begegnet: Ich bin eifersüchtig. Und zwar auf die Zeit, die sie dann anstatt mit mir, mit der neuen Aufgabe verbringen.   

Meinem Spiegel bin ich dabei auch begegnet. Was mache ich denn die ganze Zeit? Ich habe immer wieder neue Ideen, die mich in Beschlag nehmen und viel Zeit beanspruchen. Und denke ich dabei an mein Umfeld – nein!



22. November 2023   

Die berührende letzte Sitzung mit einem Schüler.   

Unsere gemeinsame Reise begann vor 6 Monaten, das Einlassen fiel uns beiden leicht. Die Treffen waren unregelmässig, aber intensiv. Mit dabei waren – auch für mich neu – drei Tage à 5 Stunden. Durch einen Unfall hat sich unser letztes Treffen hinausgezögert, doch die Vertrautheit war sofort da.   

Für meine Arbeit als Liebeslehrerin ist mir eine Struktur der Modell-Beziehung wichtig und dazu gehört ein Abschiedsritual um die gemeinsame Zeit wertschätzend zu beenden.   

Die Intensität des Augenblicks während unserer letzten Begegnungssequenz berührte mich sehr. Ich liess Tränen der Emotion zu, ohne dass ich werten oder wissen wollte, aus welchem Gefühl sie entstanden. Sie waren da, ich gab ihnen den Raum und mutete mich zu. Es fühlt sich stimmig an mich in den Fluss und allem, was darin treibt, zu geben und mich treiben zu lassen.   

Gute Reise und geschmeidiges Fliessen…



21.November 2023   

Wieder einmal durfte ich erfahren, wie wertvoll das Reflektieren mit mindestens einem Gegenüber ist. 

Ich geniesse es die letzte Zeit sehr meine selbst gewälzten Gedanken in meinem Blog zu teilen. Spaziergänge helfen dabei, manchmal auch zu mir selbst gesprochene Sätze zu ordnen und weiterzuspinnen.  

Ein Gegenüber bringt jedoch den Spiegelaspekt rein. Neben Verständigungsfragen und Meinungen helfen kleinste Gesichtsregungen und Gesten, um auf die Essenz zu kommen.  

Auf diese Weise bin ich gestern auf das Erkennen einer Grenze gestossen. Eine neue Herausforderung steht an. Ich spüre Lebendigkeit in diesem seltenen Moment der Erfahrung einer Grenze und bin aufgeregt diese zu kommunizieren.  

Wie sage ich der betreffenden Person, dass ihr Verhalten eine Grenze für mich darstellt?  
Finde ich den passenden Moment, die treffenden Worte und klare Sätze?  

Kommt mein Gesagtes achtsam, wirksam und trotzdem wertschätzend an? 

Ich wünsche mir die besten Rahmenbedingungen, dass ich bei mir bleiben kann und verstanden werde. Viel Glück Manuela!  



20. November 2023   

Ein unkomfortables Samstag-Abend-Experiment.  

Ich fühle mich hibbelig, unstetig und habe das Bedürfnis die überschüssige Energie durch Tanzen loszuwerden.   

Leider ist es schon nach 20:00 Uhr und die Tanzeria in Zürich hat schon gestartet. Also beschliesse ich in ein nahes Nachbardorf zu fahren, um noch vom günstigen Eintritt vor 21:30 Uhr zu profitieren. Auf dem Parkplatz parke ich inmitten Jugendlicher und bleibe noch eine Weile im Auto sitzen, um in mir einen Impuls zu spüren da reinzugehen. So weit war ich vor zirka einem Jahr schon mal, da kehrte ich nach einer halben Stunde im Auto allerdings wieder nach Hause zurück.  

Ich gebe mir also einen Ruck – der kam glaubs aus meinem Verstand – und marschiere entschlossen zur Eingangskontrolle. Da ich doppelt so alt wie der Durchschnitt bin, verlangen sie keinen Ausweis. Mutig sehe ich mich um, es verteilen sich etwas 100 Jugendliche auf dem Gelände. Die Tanzfläche noch gähnend leer. Obwohl mich das jeweils nicht vom Tanzen abhaltet, merke ich dennoch einen Widerstand.   

Es kann nur meine Fantasie sein, aber ich spüre misstrauische Blicke – als Ü 40 Singlefrau, die sich vor dieser fremden Welt nicht fürchtet, muss ich wie eine Ausserirdische gewirkt haben. In knapp einer Stunde ziehe ich ein paar Runden, schwatze jemandem eine Zigi ab (meine 7. im ganzen Leben) und trinke einen Eistee. Ich sehe viele Menschen, aber es kommt zu keiner wirklichen Begegnung und so ziehe ich wieder von dannen.   

Energie hat mich dieser Ausflug dann doch gekostet, so ausserhalb meiner Komfortzone. Zufrieden bastle ich zu Hause zu Tanzmusik bis nach Mitternacht und weiss, dass ich das nächste Mal besser an einen anderen Ort ausgehe (da habe ich inzwischen schon eine Empfehlung gekriegt).   Übrigens hätte ich mich ziemlich sicher angesprochen und wer weiss, vielleicht auch durch den aufgebrachten Mut eine unvergessliche Nacht verbracht…




18. November 2023  

Ich bin offen für vieles, deshalb kann ich nicht ganz dicht sein.   

Einer Interessentin erzählte ich von meinem Probe-Abschied. Sie schaute mich erschrocken an, als ich erwähnte, dass ich dieses Format bei mir zuhause, also in meiner Privatwohnung, anbiete. Wo für sie eine Grenze ist, macht mich die Erfahrung neugierig.   

Als Freigeist habe ich ein anderes Verständnis von Grenzen. In meinem Kopf ist einiges möglich, so nehme ich Grenzen oft erst in der Situation körperlich wahr. Ich bin so gwundrig, dass ich ausprobieren, erleben und erfahren möchte, wo meine Grenzen sind, um sie dann im jeweiligen Moment zu kommunizieren. Auch lasse ich mich ungern von bestehenden Grenzen einengen und probiere manchmal Dinge aus, die ich mal als Überforderung einstufte, nur um zu überprüfen, ob sich daran was geändert hat. So wie ich mich als Lebewesen verändere, durch das Leben und meinen Weg, dürfen sich auch Grenzen wandeln.   

Dinge, die ich zurzeit nicht ausprobieren möchte, gibt es einige und zur Bewahrung meines Freiraums für all die tollen Sachen, die ich erleben möchte, sind Grenzen nötig – was für eine wunderbare Polarität!



17. November 2023   

Kennst du Simultanität?   

In Zeiten, wo ich aufmerksam durch mein Leben gehe, nehme ich bewusster Begegnungen in der Welt wahr, die sich wiederholen.   

Zum Beispiel begegnet mir Gestern in einem Film ein Zentaurus – heute in meinem aktuellen Buch von Paulo Coelho «Der Zahir». Im selben Buch lese ich eine mögliche Antwort auf eine Frage, der ich auch gestern begegnete: «Wieso empfinde ich das Verrinnen der Zeit als schneller, im Vergleich zu früher?»   

Die wissenschaftliche Antwort meines Gesprächspartners stellte mich nicht restlos zufrieden, weil ich spirituelle oder philosophische Antworten bevorzuge. Dazu lese ich heute Morgen folgende Passage (wohlgemerkt auf Seite 333! – die Doppelzahlen sehe ich auch als eine Art Simultanität):
«(…) Ich fand heraus, dass ich viel besser und zu viel mehr fähig war, als ich gedacht hatte, und dass das Alter nur den Rhythmus derer verlangsamt, die nie den Mut hatten, ihren eigenen Rhythmus zu finden.»   

Meine Lebenserfahrung ist auf rund 40 Jahre beschränkt, aber ich glaube zu wissen, was er mit seiner Aussage meint. Als Kind und Jugendliche befolgte ich Konventionen und Abläufe, wurde vom System gelotst, befolgte Anweisungen aus meinem Umfeld und passte mich so einem mir fremden Rhythmus an. Scheinbar ewig wartete ich auf die mir lieben Ferien. Erst seit wenigen Jahren hinterfrage ich den Rhythmus und entdecke nach und nach meinen eigenen, was mein Leben um einiges reicher macht. Viele neue und freudige Ereignisse häufen sich und die Vorfreude bekommt weniger Raum – ist das positiv?   

Vielleicht steckt in Paulo Coelho’s Satz aber auch eine gewisse Wertung bezüglich der Langsamkeit. In einem Lebensabschnitt der Fülle, sehne ich mich nicht selten nach einem langsameren Rhythmus, dessen Umsetzung in meiner Hand liegt und aus meiner Sicht mit der Fülle harmoniert…


15. November 2023  

Wo ist dein Zuhause, wo fühlst du dich daheim?  

Ich durfte in den letzten 6 Jahren ein paar Räume der Geborgenheit erleben. In Achtsamkeitskursen, Tantra-Seminaren, spirituellen Feldern für Persönlichkeitsentwicklung, traf ich Menschen, die ich noch nie gesehen hatte, die mir aber nicht unbekannt vorkamen. Sie gehören zur erweiterten Wahlfamilie, weil sie sich in einer selben Welt wie ich aufhalten.  

Zuhause ist, wo dein Herz ist – heisst es so schön.  

In dieser nährenden, stützenden Gesellschaft mute ich mich zu, vertraue ich der Wohlgesinnung und entfalte mein Potential. Kraftvoll unterstütze ich somit die Energie und die Ideologien des Kollektivs.   

Auf einer «Insel» mit meiner Schwingung ist wachsen einfach. Meine Idee ist es dann das Gelernte in mein Leben zu integrieren und nicht von Insel zu Insel zu schwimmen und dazwischen beinahe zu ertrinken. Die Verarbeitung solcher Prozesse dauert seine Zeit – wenige Stunden bis ein paar Tage. Mit gutem Vorsatz versuche ich die Tage nach diesen Orten der Selbsterkennung frei von Terminen zu halten. Gönne ich mir danach zu wenig Ruhe, rebelliert nicht selten mein Körper und zwingt mich mit Krankheit dazu.   

Nun begegnen mir zum Erlernten passende Übungsfelder. Unangenehme, nervenaufreibende Situationen, sogenannte Trigger, stellen mich auf die Probe. Entweder ich beobachte oder ich erlebe etwas, aus meiner Sicht, unerhörtes. (Das Wort «unerhört» finde ich ziemlich spannend. Etwas wird nicht erhört, fällt mir aber auf und kriegt dadurch seine Aufmerksamkeit.) Das hat jeweils etwas mit mir zu tun und ich frage mich:   
«Habe ich Anteile in mir, die gerne ähnlich reagieren oder es tun und ich gebe ihnen nicht das Recht dazu, beziehungsweise verurteile mich dafür selbst?»   
Je emotionaler ich werde, desto unangenehmer das Eingeständnis. Ich rege mich total über eine Person auf und dann soll ich bei mir selbst hinschauen? Ja. Manchmal finde ich die Themen derart peinlich, dass ich versucht bin es weit von mir zu weisen. Auf keinen Fall bin ich ähnlich! Sehr ungern mache ich mich dann auf die Suche nach der Quelle in mir… Da ich solche Herausforderungen gerne annehme, gelingt mir die Reflexion immer rascher, was mich dann erleichtert und erfüllt.   

Den wahren Lernfeldern des Lebens begegne ich nicht in wundervollen Wohlfühlräumen, sondern im Alltag (obwohl das Wort Alltag in meinem Leben relativ ist). Ein geborgenes Zuhause bietet mir jedoch ein niederschwelliges Übungsfeld und gibt mir das nötige Werkzeug und Stärkung mit auf meinen Weg...


13. November 2023  

Ich möchte mich als Humanistin bezeichnen!  

Bin gerade dabei eine Folge von Sternstunde Philosophie zu schauen: 
Sarah Bakewell - Humanisten leben erfüllter!   
Frei denken, furchtlos forschen, handelnd hoffen.   

Mir gefällt die Idee vom urteilsfreien Verbinden mit Menschen, die antiautoritäre, freiheitsliebende Haltung. Dabei stosse ich an die Grenzen von bedingter Freiheit und den isolierenden Aspekt von Verbindung.  


Was bedeutet Freiheit und wieviel davon gelingt mir zu leben?

Mit was und wem möchte ich mich verbinden, ohne durch Überforderung gelähmt zu werden?    


12. November 2023  

Ich habe die letzten fünf Jahre gelernt mich zuzumuten. Zu meiner Verletzlichkeit zu stehen, schwierige Themen anzusprechen, unbequeme Fragen zu stellen und eigene Grenzen und Bedürfnisse zu benennen – sprich authentischer zu werden mit meinem ganzen Sein.  


Dafür habe ich die passenden Räume gefunden, die mich optimal darin unterstützten. Zwei solcher Räume habe ich inzwischen selbst in meinem Angebot: den Kuschel-Abend und den Probeabschied. Es dürfen noch mehr werden…  


Das sich zumuten finde ich eine wichtige Entwicklung in unserer Gesellschaft, wobei es darauf ankommt, wo und wann es praktiziert wird. Fehlen die passenden Rahmenbedingungen, kann es schnell unangenehm werden. So möchte ich zum Beispiel keine ausführliche Leidensgeschichte von einer Person aufgetischt bekommen, die mir eine Dienstleitung erbringen soll. Meine Grenzen in so einem Fall achtsam zu kommunizieren, ist für mich noch ein Übungsfeld.

11. November 2023   

Während dem Morgenspaziergang begegnete ich Laub. Gelbe und grüne Blätter an den Bäumen gegen den Himmel und orangene, rote und braune Blätter am Boden unter meinen Füssen.   

Die Hobby-Symbolikerin in mir sieht Menschen/Seelen, Himmel und Hölle. Ich kenne die biblischen Darlegungen nicht, nur gesellschaftsprägende Sätze wie: Böse Menschen kommen in die Hölle.  

Die Hobby-Philosophin in mir fragt sich: Was sind böse Menschen? Was bedeutet Hölle?   

Die Hobby-Psychologin in mir sagt: Es gibt Aktionen, Reaktionen und Beobachtung. Diese Handlungen sind geprägt vom Weg (Lebensereignisse, Erfahrungen, Erlebnisse), von Begegnungen (Prägungen, Muster, Konventionen) und Charakter (Eigenschaften und Entwicklungen). Einer Tat oder einer unterlassenen Handlung liegt somit eine Richtigkeit zugrunde. Für die betreffende Person war das im besagten Moment die schlussfolgende Wahrheit. Nichts ist ohne Grund.  

Die Hobby-Mystikerin in mir fühlt sich zufrieden. Sie findet nach der verständlichen Verwirrung Entwicklung. Bin ich nicht im Fluss mit dem Leben, kann es sich zuweilen wie die Hölle anfühlen.


9. November 2023

Liebes mitreisendes Wesen 

Die Polaritäten scheinen mich heute Morgen schier zu zerreissen. Nach einem lebendigen Tag voller bereichernden Begegnungen, träumte ich von meinem eigenen Tod. Die grosse Ruhe, die sich dabei ausbreitete, liess meine Alltagssorgen und den vollen Terminkalender mit der Versprechung eines üppigen Lebens, erblassen. In einer Mischung aus höchstem Glück und tiefster Zufriedenheit bin ich erwacht. 


Die prallvolle Entdeckungsreise, die in meiner Vorstellung vor mir liegt, spüre ich plötzlich schwer auf meinen Schultern. Mit dieser distanzierten Sicht auf mein Leben, beginne ich auszusortieren. Da sind sie wieder klar vor mir: Die sozialen Medien. Ich bin mit drei Accounts bei Facebook, Manuela Stauffacher, kreativemanu und fliessendleben. Weniger lange habe ich eine Seite bei Instagram. Der Gedanke an die Möglichkeiten der Vernetzung, die bereichernde Vielfalt der Ideen und die individuellen Anreize zur Persönlichkeitsentwicklung, lassen mein Wesen ersprudeln vor Freude. Auf der anderen Seite eine überfordernde Flut von Informationen und Unterhaltung, die manchmal unbemerkt meine Zeit frisst. Dann erscheint gestern wie gerufen der Artikel in der Coopzeitung: Aus die Maus – Wie Sie Ihr Facebook-Konto dauerhaft löschen. 


Klar, das mache ich. Den Artikel habe ich rausgenommen. Plötzlich wieder die schiere Panik, Erstarrung statt Loslassen, Verlustangst. Ich erkenne meine Abhängigkeit, spüre nicht nur Widerstand im Kopf, sondern auch körperlich, beim Gedanken an das Verabschieden. Diese immense Fülle und die Möglichkeit mich «der Welt» zu zeigen! Würde ich ungesehen in eine Leere fallen? Ich glaube nicht.  
Also entscheide ich es einfach und verabschiede mich aus den sozialen Medien Facebook und Instagram. Ha! Ich hab’ ja noch WhatsApp, Telegram, drei Internet-Seiten, zwei E-Mail Adressen, drei Telefonnummern, Post-Anschriften – und wirkliche soziale Kontakte!  

Bis bald, im «richtigen» Leben…


7. November 2023

Ich bin noch ganz weich und fühl mich genährt von der Wertschätzung für meine Arbeit als Akt-Modell gestern Abend.

Das erste Mal, wo ich spontan wegen eines Ausfalls einspringen konnte, der Initiator war mir nur schon deshalb sehr dankbar.

Dann treffe ich sie. Mit glänzenden Augen gesteht sie mir, dass sie hier ist, weil ich sie mit meinen Antworten auf ihre Fragen inspiriert hatte.
Vor über einem Monat hat sie zum Thema Akt-Modell ein Interview mit mir geführt und einen wundervollen Text dazu geschrieben.
Sie ist gespannt, mich das erste Mal in Aktion zu erleben und meldet mir schon in der Pause zurück, dass ihr die Posen gut gefallen. Mir gefällt wiederum, dass sie als eine der Ausnahmen, meine weissen Flecken integriert.

Ich versuche nun das PDF von ihrer Arbeit über mich zu integrieren, falls das nicht gelingt, bitte anfragen und ich schicke es persönlich...
Ok, ich schicke es auf Anfrage ;)


6. November 2023

Die erste Hürde hat sich mir schon in den Weg gestellt, weil es die Blogfunktion beim Veröffentlichen der Webseite nicht übernimmt... Diese Technik! Meistens finde ich Lösungen oder Menschen in meinem sozialen Netz, die mir gerne behilflich sind - diese Ressource weiss ich sehr zu schätzen. Ein Danke an dich! 
Nun sind meine Beiträge halt reingebastelt, aber das passt ja auch ein wenig zu mir und meiner Art. Vermissen werde ich Kommentare, wie in den sozialen Medien. Um so mehr würde es mich freuen, wenn ich von dir über eine meiner anderen Webseiten eine Nachricht erhalte.

Ich habe - nicht das erste mal - ein Video bezüglich Corona-Impfung bekommen. Die Hartnäckigkeit des Themas finde ich erstaunlich! Um was geht es mir?
Es geht mir nicht um das Detail, sondern um den Kampf um Wahrheit und Recht. Beim schauen des Videos bewegte mich die Emotionalität der Sprecherin nicht. Mich interessieren weder Studien, noch wissenschaftliche Beweise. Ich bin auf der Suche nach meiner eigenen Wahrheit und weil sich auch diese im Wandel der Zeit ändert, masse ich mir nicht an, über andere (Momentan-) Wahrheiten zu urteilen. Seit ich mich darin übe, Jedem und Jeder seine / ihre Wahrheit zu lassen, fühle ich mich sichtlich entspannter.

Danke für's Lesen!